Fahrt in eine ungewisse Zukunft: U-Bahn-Zug der BVG auf der Oberbaumbrücke in FRiedrichshain-Kreuzberg. Foro: Imago Images/ Frank Sorge

Für wen war 2020 schon ein gutes Jahr? Für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auch nicht. Das zeigen interne Zahlen, die dem Berliner KURIER vorliegen.

Wer in Berlin unterwegs ist, der merkt sofort: Bahnen und Busse sind leerer als früher. Auch wenn es weiterhin keine gesicherten Belege dafür gibt, dass der Nahverkehr ein Corona-Hotspot ist, bleiben ihm viele Menschen fern. Der positive Trend, der im Sommer zu erkennen war, hat sich leider wieder umgekehrt. „Die Prognose musste daher korrigiert werden“, heißt es bei der BVG.

Wurde das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands 2019 noch für rekordverdächtige 1,125 Milliarden Fahrten genutzt, wird sich die Fahrgastzahl im Coronajahr 2020 wahrscheinlich weit darunter einpendeln. Ende November rechnete man mit 727 Millionen Fahrgästen, das sind knapp zwei Drittel des Vorjahresaufkommens.

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Weniger Fahrgäste bedeutet: weniger Einnahmen. Weil die Zahl der Fahrgäste während der Corona-Pandemie stark gesunken ist, könnten allein die Einnahmen aus dem Verkauf von Einzelfahrscheinen und Tageskarten um rund 104 Millionen Euro unter dem Plan liegen. Bei Monatskarten und Sozialtickets wird die Abweichung auf immerhin mehr als 56 Millionen Euro beziffert. Allerdings ist es gut möglich, dass die Einbußen am Ende noch höher sein werden. Denn die Rechnungen stammen von Mitte November. Damals war noch nicht absehbar, dass Mitte Dezember ein zweiter harter Lockdown beginnen wird.

Die Rechnung der BVG umfasst noch weitere Faktoren. Welche Zahlen stehen am Schluss? Bisher kalkuliert die BVG für dieses Jahr damit, dass sie insgesamt 190 Millionen Euro weniger Fahrgeld einnimmt als im vergangenen Jahr. Weil auch andere Erträge spärlicher fließen,  könnte sich dieses Minus auf rund 210 Millionen Euro vergrößern. Allerdings spart das Unternehmen an einigen Stellen auch Geld – zum Beispiel, weil weniger Energie verbraucht wird. Und so wird der Ausfall bislang auf rund 160 Millionen Euro beziffert, heißt es bislang.

Die Hoffnungen liegen auf dem Bund und dem Land Berlin. Wenn sie wie erwartet ihren Verpflichtungen nachkommen und aus dem bundesweiten Rettungsschirm und anderen Quellen das Finanzloch stopfen, könnte die BVG 2020 glimpflich davonkommen. Aber da ist noch 2021. „Dieses Jahr hat uns schon einige Herausforderungen beschert“, sagt BVG-Chefin Eva Kreienkamp. „Doch 2021 dürfte vielleicht sogar noch schwieriger werden.“