Heinz und seine Freunde: Staatssekretärin Meike Niedbal, Erik Landeck von Stromnetz Berlin, Daniel Kunkel von Ubitricity, und am Elektroauto Juliane Witt, in Marzahn-Hellersdorf für Verkehr zuständige Stadträtin.
Heinz und seine Freunde: Staatssekretärin Meike Niedbal, Erik Landeck von Stromnetz Berlin, Daniel Kunkel von Ubitricity, und am Elektroauto Juliane Witt, in Marzahn-Hellersdorf für Verkehr zuständige Stadträtin. GL

Heinz macht mobil. Heinz, so heißt die Ladesäule der Berliner Firma Ubitricity,  von der bis Oktober 200 Stück im Auftrag des Senats an Berliner Laternenmasten angebracht werden. Die ersten drei wurden am Mittwoch in der Biesdorfer Oberfeldstraße in Betrieb genommen, es folgen weitere Straßen in Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf.

Es gibt zwar schon einige Ubitricity-Ladeeinrichtungen an Laternen in der Stadt, Vorformen von Heinz, die wieder demontiert werden.

Die Ladepunkte werden vom Bund bezahlt

Dafür nimmt die Versorgung mit Heinz Fahrt auf. Staatssekretärin Meike Niedbal von der Senatsverkehrsverwaltung konnte bei der Einweihung verkünden, dass gerade der Förderbescheid vom Bund gekommen sei, weitere 800 für Berlin zu finanzieren. Niedbal: „Im Rahmen des Forschungsvorhabens prüfen wir, inwiefern sich die Nutzung der vorhandenen Straßenbeleuchtungsinfrastruktur zur flächendeckenden Versorgung mit Ladepunkten für Elektroautos im öffentlichen Raum eignet.“

Rund 7 Millionen Euro und damit die kompletten Kosten übernimmt der Bund für die 1000 neuen Ladepunkte im Rahmen eines Forschungsprojekts, das speziell auf Außenbezirke zielt.

In dem Betrag sind die Geräte, die Installation und gegebenenfalls Tiefbauarbeiten und neue Masten enthalten: Bei rund der Hälfte der 1000 Ladepunkte muss ein neuer Laternenmast aufgestellt werden. Ist er dagegen für den Anbau geeignet, ist Heinz binnen einer Stunde installiert.

Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, beschreibt die dringende Notwendigkeit für neue Ladepunkte: Von den rund 12.000 bereits vorhandenen seien 80 Prozent privat.

Ladepunkte für alle

Gleichzeitig, so sagte es kürzlich Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos), hat sich die Zahl der Elektro- und Plug-In-Hybridautos in Berlin seit 2020 auf rund 46.000 fast verdoppelt. Jedes fünfte Fahrzeug, das neu zugelassen wird, sei inzwischen elektrisch angetrieben. Allerdings sind fast 60 Prozent der Stromer Firmenwagen.

Die  neuen Säulen sollen all denen helfen, die ihr Auto nicht auf dem eigenen Grundstück oder in der Firma aufladen können, und weil sie ihren Strom aus den Leitungen zu den Laternen beziehen, ist der Aufwand relativ gering, sagt Daniel Kunkel, Chef der Shell-Tochterfirma Ubitricity.

Heinz soll vor allem nachts genutzt werden, wenn die Leute ihr Auto abstellen. Kunkel erwartet, dass wie in Großbritannien, wo sein Unternehmen schon 5500 Ladepunkte unterhält, im Durchschnitt 22 Kilowattstunden laden, was für gut 100 Kilometer reiche. So eine Ladung kostet beim festgelegten Preis von 42 Cent/kWh und 3,7 kWh maximaler Ladeaufnahme 9,24 Euro.

Jedes mitgelieferte Ladekabel passt

Angeschlossen werden kann jedes genormte Ladekabel, bezahlt wird mit einer  Karte oder über das Handy. Eine Schnellladestation ist Heinz nicht, da wäre der Strom auch deutlich teurer.

In diesen Straßen von Marzahn-Hellersdorf werden bis Oktober Ladepunkte an Laternen montiert

  • Adele-Sandrock-Straße
  • Allee der Kosmonauten
  • Althansweg
  • Erich-Baron-Weg
  • Grabensprung
  • Lemkestraße
  • Lenbachstraße
  • Liebensteiner Straße
  • Linderhofstraße
  • Lübzer Straße
  • Märkische Allee
  • Mark-Twain-Straße
  • Maxie-Wander-Straße
  • Oberfeldstraße
  • Otto-Nagel-Straße
  • Parchimer  Straße
  • Pekrunstraße
  • Pilgramer Straße
  • Pilsener Straße
  • Rudolf-Leonhard-Straße
  • Ruhlsdorfer Straße
  • Schönagelstraße
  • Schrobsdorffstraße
  • Schwarzwurzelstraße
  • Tangermünder Straße
  • Teterower Ring
  • Wuhletalstraße

Und hier in Steglitz-Zehlendorf

  • Alsheimer Straße
  • Alt-Lankwitz
  • Am Großen Wannsee
  • Am Waldfriedhof
  • Anhaltiner Straße
  • Berlepschstraße
  • Beymestraße
  • Dillgesstraße
  • Eiswaldtstraße
  • Geraer Straße
  • Herrfurthstraße
  • Hohentwielsteig
  • Liebenowzeile
  • Lippstädter Straße
  • Moltkestraße
  • Mörchinger Straße
  • Orlamünder Weg
  • Sophie-Charlotte-Straße
  • Stewardstraße
  • Taylorstraße
  • Wichurastraße
  • Windsteiner Weg

Verkehrsminister will mehr Kohle E-Verkehr

Um eine Lücke zu Klimazielen zu schließen, will Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) das Ladenetz für Elektroautos und den Radverkehr ausbauen. Das geht aus einem am Mittwoch vorgelegten Sofortprogramm zur Einhaltung der Klimaziele im Verkehrssektor vor.

Für den Ausbau der öffentlichen Pkw- und Lkw-Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren meldet Wissing mehr Geld im Haushalt an. Es werde davon ausgegangen, dass weitere Haushaltsmittel im Umfang von etwa acht Milliarden Euro erforderlich seien. Mit einem flächendeckenden Ladenetz   soll der weitere „Hochlauf“ der Elektromobilität  vorangetrieben werden.

Wissing musste ein Klimaschutz-Sofortprogramm vorlegen, weil der Verkehrssektor 2021 die im Klimaschutzgesetz festgelegte Jahresmenge des  Ausstoßes von  CO2 um rund drei Millionen Tonnen überschritten hatte. Wissing versprach, mit dem Maßnahmenpaket werde die Differenz vollständig ausgeglichen.