Wer sich ein gebrauchtes Auto kaufen will oder muss, sollte einige Tipps beherzigen. dpa/Sebastian Gollnow

Na klar, so will es Murphys Gesetz: Der Urlaub steht kurz vor der Tür, da reißt der vierzehn Jahre alte Kleinwagen von Familie Müller die Hufe hoch. Aber mal ehrlich: Einen günstigen Zeitpunkt für ein neues Auto gibt es sowieso bei den wenigsten. Und wenn man dann schon Geld in die Hand nehmen muss für einen neuen fahrbaren Untersatz, dann soll das kleine Vermögen, das so ein Auto kostet, doch bitte auch vernünftig angelegt sein. Wer dabei ein bisschen aufs Geld schauen muss, landet mit seinen Überlegungen schnell auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Doch der ist momentan aufgrund von Lieferengpässen nicht nur knapp bestückt. Es lauern auch Fallen und schwarze Schafe.

Karsten Schlaak, Kfz-Meister und Inhaber zweier typenoffener Werkstätten in Köpenick und Müggelheim, hat in fast einem Vierteljahrhundert als Schrauber schon alles erlebt. „Für 95 Prozent der Leute muss das Auto einfach fahren“, sagt er. Aber genau darin liege die Gefahr. Zwischen günstig und gut liegen manchmal Welten. Dabei muss ein neuer Alter nicht gleich das halbe Jahresgehalt verschlucken. Doch worauf sollte man als Laie eigentlich achten?

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Privat oder Händler – wo sollte man ein gebrauchtes Auto besser kaufen?

„Wenn man nicht jeden Cent umdrehen muss, würde ich immer einen Händler empfehlen“, sagt Karten Schlaak. „Die sind über das Werk rückversichert, müssen Gewährleistung geben und haben ein Problem, wenn sie – auf Deutsch gesagt – Schrott verkaufen.“ Dabei ist das mit der Gewährleistung so eine Sache. „Jeder Händler hat im ersten Jahr eine Gewährleistung zu bieten, im ersten halben Jahr auch die Sachmängelhaftung. Da sind teilweise sogar Verschleißteile einbezogen – Bremsen zum Beispiel“, weiß Kfz-Meister Schlaak. „Verdeckte Mängel“ heißt das im Fachjargon.

Ein Beispiel: Ein Urteil vom Landgericht Gera gab einem Käufer recht, der beim Händler einen Wagen kaufte, bei dem nach 80 Kilometern der Zahnriemen riss. Obwohl es sich beim Zahnriemen um ein Verschleißteil handelt und der Käufer einen Sachmangel nicht nachweisen konnte, musste der Händler den Schaden in Höhe von 4200 Euro ersetzen. Der Händler hatte im Gebrauchtwagencheck ohne weitere Erläuterungen vermerkt, der Zahnriemen sei in Ordnung, und habe damit seine Aufklärungspflichten verletzt, so das Gericht (Urteil von 2009, Az. 1 S 428/08).

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Darüber hinaus ist es durchaus üblich, dass Händler eine Gebrauchtwagengarantie ausstellen. „Man sollte genau auf die Konditionen schauen“, warnt Schlaak. „Wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der sich auskennt, sollte die Garantie unbedingt anschauen lassen. Es gibt Garantien, die zwar auf den ersten Blick einen Motorschaden einschließen, beim genauen Hinschauen aber wichtige Einzelteile des Motors ausschließen.“

Worauf sollte man bei der Wahl des Gebrauchtwagens achten?

Ist die Frage nach dem Kauf bei einem Händler oder von einer Privatperson erst mal geklärt, ist die Suche schon eingeschränkter. Ein Blick auf die Unterhaltskosten lohnt sich allemal im Vorfeld: Verbrauch, Steuern und Versicherung können zur Kostenfalle am laufenden Band werden.

KFZ-Meister Karsten Schlaak nimmt einen Gebrauchtwagen unter die Lupe. Berliner KURIER/Dajana Rubert

Welcher Check bietet größtmögliche Sicherheit beim Gebrauchtwagenkauf?

Beim Autokauf auf dem typenoffenen freien Gebrauchtwagenmarkt sollte man „auch immer den Blick für eine freie Werkstatt in der Nähe haben“. Wer als Kunde zum Händler sagt, er möchte eine ausgiebige Probefahrt machen und den Wagen in einer Werkstatt begutachten lassen, wird schnell feststellen, wie viel der Verkäufer zu verbergen hat. Ausreden – etwa das Fahrzeug sei nicht getankt – zählen nicht. Und übrigens: Auch beim Kauf von privat kann man den Verkäufer bitten, sich die Zeit zu nehmen, in die Werkstatt zu fahren.

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„Meinen Stammkunden biete ich an, den Wagen einfach auf die Hebebühne zu nehmen und den Diagnosetester durchlaufen zu lassen. Das dauert ca. eine halbe Stunde und kann schon viel ausschließen. Manche Fehler werden dem Kunden gar nicht angezeigt, können aber in absehbarer Zeit zu teuren Problemen werden. Und auch wenn dieser Check für Nicht-Stammkunden vielleicht 50 Euro kostet, ist es gut angelegtes Geld“, meint Auto-Profi Schlaak. Die meisten typenoffenen Werkstätten bieten diesen Service an.

Geht es nach dem Berliner Kfz-Meister, ist beim Gebrauchtwagenkauf für Laien durchaus auch das Baugefühl ein guter Ratgeber: „So wie es beim Verkäufer aussieht, so werden auch die Autos verkauft. Wenn es ein Hinterhof ist, ist es vielleicht nicht die beste Adresse. Das Auge sollte immer mitkaufen“, rät er. Und: „Wird zum Beispiel eine Schramme nicht vertuscht, ist das besser als ein lackierter Schaden. Da kann man im Wert der Reparatur am Preis drehen und sich überlegen, ob man das Geld sparen oder den Schaden lackieren lassen will.“ Ist der Kratzer oberflächlich, muss man sich auch wegen des Rosts keine übertriebenen Sorgen machen.

dpa/Robert Günther
Gebrauchtwagenkauf kurz und knapp

Beim Händler oder von privat? Beliebter ist Letzteres – dank größerem Angebot insbesondere an älteren Baujahren sowie dem niedrigeren Preisniveau. Mehr Sicherheit bietet freilich der Kauf vom Händler: Dieser ist, unabhängig von einer eventuell angebotenen Gebrauchtwagengarantie, zu einer mindestens zwölfmonatigen „Sachmängelhaftung“ verpflichtet. In den ersten sechs Monaten gilt zudem eine „Beweislastumkehr“.

„Zuallererst kauft das Auge“: Dieses Motto der Profi-Verkäufer sollten Sie kennen! Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Gebrauchtwagen-Aufbereiter mit Erfahrung und speziellen Pflegemitteln rangehen. Lassen Sie sich aber nicht täuschen – ohne umfassende Bestandsaufnahme kann das leicht zum Flop werden. Trotzdem gilt: Auf einem völlig heruntergekommenen Hinterhof bei einem Verkäufer mit ungepflegtem Äußeren wird man wohl auch kein gutes Schnäppchen schlagen.

Nicht ohne meinen Fachmann: Grundsätzlich kann man das Risiko, ein schlechtes Exemplar zu erwischen, nur reduzieren durch die Einbeziehung eines Fachmanns, zum Beispiel einer typenoffenen Werkstatt, des ADAC oder anderer Institutionen.

Mängel-Schwerpunkte: Informieren Sie sich vorab. Verschaffen Sie sich eine Übersicht über die Schwachpunkte der von Ihnen ins Auge gefassten Modelle.

Die Checkliste: Der ADAC bietet online eine Gebrauchtwagen-Checkliste an.

Worauf sollte man beim Kauf eines Gebrauchten noch achten?

Ein Unfallwagen beispielsweise muss als solcher auch inseriert sein. Ist der Schaden sachgerecht und professionell behoben, spricht laut Karsten Schlaak aber nichts gegen ein solches Auto. „Ich würde mir immer das Serviceheft zeigen lassen und nach Rechnungen für Reparaturen fragen. Je besser die Fahrzeughistorie nachvollziehbar ist, desto besser ist das Auto gepflegt.“

Übrigens: Ein frischer TÜV ist immer ein gutes Zeichen. Gravierende Mängel sind dabei weitestgehend ausgeschlossen. Hat das Fahrzeug hingegen nur noch zwei Monate TÜV, ist es umso wichtiger, den Wagen vorher in der Werkstatt des Vertrauens durchchecken zu lassen.

Und wann sollte man nun die Finger lassen vom ins Auge gefassten Wagen?

„Wenn an der Karosserie etwas durchgerostet ist. Wenn das Auto stark ölundicht ist oder andere Flüssigkeiten verliert. Wenn es starke Geräusche gibt – vom Getriebe, dem Motor oder sonst irgendwoher. Und natürlich wenn der Wagen nicht richtig läuft“, sagt Schlaak. „Auch wenn der Verkäufer sagt, es seien nur die Kerzen, sollte man die Finger vom Auto lassen. Denn wenn es ein Fehler ist, der mit wenig Aufwand zu beheben ist, warum macht es der Verkäufer dann nicht einfach selbst? Dann würde er jede Diskussion umgehen.“