Der Kinderbonus wird jetzt ausgezahlt.  Foto: imago images/Christian Ohde

Der Kinderbonus zur Unterstützung von Familien in der Corona-Krise wird seit Montag ausgezahlt. Die Familienkassen zahlen im ersten Schritt 200 Euro pro Kind, die zweite Rate von 100 Euro soll im Oktober fließen. Die Leistung wird zusätzlich zum Kindergeld gezahlt und muss nicht beantragt werden, sondern fließt automatisch. Linkspartei und Grüne sowie Sozialverbände forderten eine weitergehende Unterstützung für Familien.

Wann genau der Kinderbonus auf dem Konto ankommt, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 18 Millionen berechtigte Kinder und junge Menschen. Auf Hartz IV und andere Sozialleistungen wird die Sonderzahlung nicht angerechnet. Verrechnet wird sie allerdings mit dem Kinderfreibetrag bei Gutverdienern.

Die Linke findet, der Kinderbonus falle zu gering aus. Die Lasten der Pandemie für Familien würden dadurch "nicht annähernd" ausgeglichen, sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Montag.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katja Dörner, bezeichnete die Leistung als "Tropfen auf den heißen Stein". Die 300 Euro seien zwar besser als nichts, "für Familien können sie aber bestenfalls ein Trostpflaster sein". Es sei dringend geboten, die Situation von Familien und Kindern dauerhaft zu verbessern.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband lobte, dass der Bonus nicht auf Hartz IV angerechnet wird. "Der Kinderbonus ist zweifellos eine gute Sache und eine ganz konkrete Hilfe für arme Familien mit Kindern", erklärte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. "Absolut inakzeptabel aber ist, dass Millionen Kinderlose, die Leistungen beziehen, egal ob Hartz IV oder Grundsicherung im Alter, leer ausgehen."

300 Euro gibt es pro Kind. 
Foto: Felix Kästle/dpa

In sämtlichen Konjunkturpaketen und Rettungsschirmen seien "Millionen Arme bisher mit keinem Cent berücksichtigt", beklagte Schneider. "Das ist angesichts der bitteren Not, die sich für die Betroffenen in der Corona-Krise Tag für Tag verschärft, armutspolitisch außergewöhnlich ignorant."

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) begrüßte den Kinderbonus ebenfalls grundsätzlich, forderte aber auch weitergehende Hilfen. 300 Euro seien angesichts des Ausmaßes der Probleme für viele betroffene Familien ein "Tropfen auf den heißen Stein", erklärte AWO-Vorstand Wolfgang Stadler. "Wir brauchen eine langfristige Lösung für die gesamte Dauer der Krise und die Zeit danach." Es sei an der Zeit, eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung einzuführen.

SPD-Fraktionsvize Katja Mast sagte der Nachrichtenagentur AFP, niemand behaupte, "dass der Kinderbonus die einzige Maßnahme in der jetzigen Situation ist". Es handele sich nicht um eine Entschädigung, sondern um eine Anerkennung "für alles, was Eltern in der Krise geleitet haben". Mast bekräftigte die Forderung ihrer Fraktion nach einer Kindergrundsicherung sowie nach "besseren Löhnen" und mehr Tarifbindung.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, lobte den Kinderbonus als "eine der klügsten Maßnahmen" des Konjunkturprogramms der Bundesregierung. Die Leistung helfe "schnell und relativ zielgenau den Familien, die jetzt in der Krise Unterstützung benötigen", sagte er der "Rheinischen Post".