Keine Lust, für den Job umzuziehen? Ob Arbeitnehmer eine Versetzung in eine andere Stadt hinnehmen müssen, hängt auch vom Inhalt des Arbeitsvertrags ab.
Keine Lust, für den Job umzuziehen? Ob Arbeitnehmer eine Versetzung in eine andere Stadt hinnehmen müssen, hängt auch vom Inhalt des Arbeitsvertrags ab. dpa/Alexander Heinl

Es ist ein Schock: Der Chef kündigt plötzlich Ihre Versetzung an. Von einer Abteilung in die andere. Oder noch schlimmer: Von einer Stadt in die nächste. Aber darf Sie der Arbeitgeber wirklich zum Umzug zwingen? Was rechtens ist – und was nicht: ein Überblick.

Lesen Sie auch: Schock-Prognosen fürs Wetter: Schnee und Eiseskälte? Im Februar droht der große Blackout >>

Darf mein Chef mich in eine andere Abteilung versetzen?

Bei dieser Frage kommt es auf den Inhalt des Arbeitsvertrags an, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh. „Arbeitsverträge geben Arbeitgebern ein gewisses Direktionsrecht“, so der Rechtsexperte. Vor einer potenziellen Versetzung müsse anhand des jeweiligen Arbeitsvertrags geprüft werden, wie weit das Direktionsrecht des Arbeitgebers reicht.

Lesen Sie auch: Erste Handelskette nimmt kein Bargeld mehr an – auch nicht bei Mini-Beträgen! >>

„Das Direktionsrecht kann durchaus beinhalten, dass Arbeitgeber einen Arbeitnehmer versetzen können“, so Schipp. Eine Grenze sei aber dann überschritten, wenn Arbeitgeber einem Arbeitnehmer eine minderwertige Tätigkeit zuweisen.

„Das Direktionsrecht erstreckt sich nur auf gleichwertige Tätigkeiten.“ Das heißt: Gibt es an anderer Stelle im Betrieb eine Tätigkeit mit gleichen Qualitätsanforderungen, werden sich Arbeitnehmer einer Versetzung nicht unbedingt widersetzen können.

Lesen Sie auch: Drama um 27-jährige Mutter: Krankenhaus schickt sie dreimal weg – jetzt ist sie tot! >>

Unter welchen Umständen ist eine Versetzung rechtswidrig?

Enthält der Arbeitsvertrag konkrete Angaben dazu, dass ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin für eine ganz bestimmte Abteilung beschäftigt wird, liegt es nicht im Direktionsrecht des Arbeitgebers, ihn oder sie zu versetzen. Wenn also im Arbeitsvertrag vereinbart wurde, dass eine Versetzung ausgeschlossen ist, darf Ihr Arbeitgeber Sie nicht an einen anderen Ort oder in eine andere Abteilung schicken. Das Weisungsrecht ist durch die vertragliche Regelung beschränkt.

Lesen Sie auch: Wiederaufbau? Vor einem Monat platzte der AquaDom: Was bisher passiert ist – und wie es weitergeht >>

Darf mein Chef bestimmen, dass ich versetzt werde? Das kommt drauf an, meint ein Rechtsexperte.
Darf mein Chef bestimmen, dass ich versetzt werde? Das kommt drauf an, meint ein Rechtsexperte. dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Darf ich innerhalb des Unternehmens in eine andere Stadt versetzt werden?

Auch für die Standortversetzung gibt es Bedingungen. Im Arbeitsvertrag muss geprüft werden, ob eine Versetzung zulässig ist oder nicht. „Bei einer Bank mit vielen Geschäftsstellen in der Region dürfte es zum Beispiel kein Problem sein, einen Beschäftigten an einen anderen Standort zu versetzen“, so der Fachanwalt. Aber auch ein Wechsel von Düsseldorf nach München kommt infrage.

Eine wesentlicher Punkt sei dabei aber: „Der Arbeitgeber muss sogenanntes billiges Ermessen walten lassen, wenn er eine solche Entscheidung trifft.“ Heißt: Arbeitgeber können nicht einfach willkürlich verfahren. Vielmehr müssen die beiderseitigen Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor der Versetzung sorgfältig abgewogen werden.

Lesen Sie auch: Neue Steuerregel auf Ebay & Co trifft auch Privatanbieter – so entgehen Sie ärgerlichen Zahlungen! >>

Unter welchen Umständen darf ich nicht in eine andere Stadt versetzt werden?

Ist vertraglich geregelt, an welchem Standort Sie für die Firma arbeiten, ist eine Versetzung in eine andere Stadt ausgeschlossen. Auch soziale Beweggründe können gegen eine Versetzung in eine andere Stadt sprechen. Haben Sie zum Beispiel schulpflichtige Kinder und geht auch Ihr Partner in Vollzeit arbeiten, kann eine Versetzung als sozial nicht gerechtfertigt angesehen werden und dementsprechend ungültig sein.

Lesen Sie auch: Achtung vor Europol-Betrügern! Auf DIESE Masche sollten Sie nicht reinfallen >>

So stellte sich laut Deutscher Anwaltshotline das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein im August 2015 beispielsweise auf die Seite eines Vaters von drei schulpflichtigen Kindern, der an eine 650 Kilometer entfernte Baustelle versetzt werden sollte. Die Versetzung wurde in diesem Fall als „unbillig“ deklariert (Az. 3 Sa 157/15).