Viel anprobieren hilft oft dabei, die richtigen Farben und Schnitte zu finden.  Foto: Franziska Gabbert/dpa-

Es ist einer der beliebtesten Tests in Frauenzeitschriften: die Bestimmung des persönlichen Farbtyps. Doch ganz so leicht ist es mit den Farben nicht. Jede Saison kommen neue Modefarben in die Läden - und nicht jeder hat ein Gespür dafür, welche einem stehen.

„Viel anprobieren hilft, die richtigen Farben und Schnitte zu finden“, sagt Trendanalyst Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut in Köln. Beim Blick in den Spiegel sollte man sich nicht nur die Frage stellen, ob es ein tolles Kleidungsstück ist, sondern auch, ob dieses etwas für einen tut. Das heißt einen frischer und strahlender aussehen lässt als ohne.

Hautton muss zur Kleiderfarbe passen

Bei Zweifeln kann eine Farb- und Stilexpertin zur Seite stehen, wie Nicola Schmidt. In ihrem Workshop in Köln erklärt sie: „Wenn wir Farben tragen, die nicht mit dem Hautunterton korrespondieren, wirkt das Gesicht auf einmal blasser und fleckiger.“

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Die Haut unter der Oberfläche ist demnach entscheidend bei der Farbbestimmung. Anders als die Hautfarbe, die sich bei Sonne verändert, oder den Haaren, die irgendwann ergrauen, bleibt der Unterton ein Leben lang gleich.

Um die richtigen Farben für jeden Einzelnen zu finden, nutzt Schmidt, wie viele ihrer Kollegen, die Farbtypenlehre nach Jahreszeiten. Die Einteilung geht auf den Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten zurück. Er untersuchte in den 1920er-Jahren, welche Auswirkungen Farben auf die Gesichtszüge der Menschen haben. Der größte Unterschied liegt zwischen kühlen (Sommer/Winter) und warmen (Frühling/Herbst) Tönen.

Kühl oder warm? Silber oder Gold?

Ob kühl oder warm findet man heraus, indem man sich abwechselnd einen goldenen und silbernen Stoff unter das Kinn hält. Schmidt benutzt hierzu Farbkrägen, die um den Hals gebunden werden und so das Dekolleté verdecken. Wenn der goldene Kragen die Person vital aussehen lässt, gehört sie zum Farbtyp Frühling oder Herbst. Bringt sie die silberne Kragenseite zum Strahlen, ist die Person entweder ein Sommer- oder Wintertyp.

Bei den meisten passt an diesem Vormittag im Workshop Silber besser. Das soll an dem blassen, bläulich oder Rosé unterlegten Hautton liegen. So einfach ist das für den Laien aber nicht immer zu erkennen.

Die kalten Farbtypen: Sommer und Winter

Weiter geht es mit den Farben der Jahreszeiten. Anders als der Sommertyp es vermuten lässt, harmoniert zur kühlen Haut zarte Farben wie Hellblau, Flieder, Mint oder Rosa.

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Dort, wo es mittels Farbkragen nicht so leicht zu bestimmen ist, werden Tücher in weiteren Farbnuancen des Sommers dazu geholt. Vielleicht ist die Person auch ein Wintertyp: Diesem werden etwas kräftigere Töne wie Kirschrot, Zitronengelb und Smaragdgrün empfohlen. Auch schwarz-weiß-Kombinationen sind möglich.

Die warmen Farbtypen: Frühling und Herbst

Die Farben des Frühlings sind klare, helle Töne, wie Apricot, Lindgrün oder Honig-Gelb. Diese schmeicheln oft hellen Menschen mit einem warmen, gold-gelblichen oder pfirsichfarbenen Hautton. Die Haut des Herbsttyps ist ebenfalls warm und golden. Erdige und warme Töne wie Schokobraun oder Tannengrün werden empfohlen, sowie leuchtendes Kupferrot.

Jede Farbe verändert etwas im Gesicht, im besten Fall werden der Teint eben, Mund und Wangen hervorgehoben oder die Augen leuchtender. Mindestens 20 Minuten braucht jeder Teilnehmer, um seinen Farbtyp zu bestimmen.

Lieblingsfarben nur im Accessoire

Eine Teilnehmerin ist enttäuscht: Bislang mochte sie Orange gern an sich. Jetzt hat die Gruppe sie als Sommertyp, also mit pastelligen Farben, bestimmt. „Wenn die Lieblingsfarben bei dem Träger eher unvorteilhaft wirken, dann kann er sie gut als Accessoire einsetzen – als Gürtel, Tasche oder Schuhe“, rät Schmidt. Hauptsache, die weniger vorteilhafte Farbe befindet sich nicht direkt unterm Gesicht.

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Immer Schwarz ist auch keine Lösung

Um nichts falsch zu machen, tragen vielen Menschen schwarze Kleidung. „Sie schluckt das Licht und damit die Binnenzeichnung von uns. Daher ist sie gut geeignet, um zu kaschieren und uns schlanker erscheinen zu lassen“, sagt Trendexperte Tillessen. Schwarz könne zudem geheimnisvoll und intellektuell wirken, weil sie vom Körper ablenke und sich auf den Geist konzentriere, so der Farbanalyst.

Es gibt aber auch Situationen, in denen sie nicht passt: „Schwarz im Neukundengespräch ist eher unvorteilhaft, da es sehr distanzierend wirkt“, erklärt Schmidt. Einen autoritären Eindruck können zudem gegenpolige Farben wie Schwarz und Weiß hinterlassen.

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Auch andere Farben sind inhaltlich codiert. „So wirkt Rot energetisch und kraftvoll, Weiß sehr gepflegt, frisch und sauber und Grün natürlich und naturverbunden“, erklärt Tillessen.

Was vielen steht: Petrol und kräftiges Blau

Wer mehr Farbe zulassen will, kann sich zunächst an Blautönen orientieren. „Viele Menschen können Türkis oder Petrol tragen. Vielen Mitteleuropäern, wie wir es sind, steht ein kräftiges Dunkelblau“, weiß Schmidt. Das liegt daran, dass viele den kühleren Farbytpen entsprechen.

„Kräftiges Blau ist eine sehr schmeichelhafte Farbe, weil es die Komplementärfarbe zu Orange ist und somit auch das Orange in unserem Hautton verstärkt“, sagt Tillessen. Das wirkt sich positiv auf unsere Gesichtsfarbe aus.

Was nicht mehr geht: Nudetöne

Nudefarben, also sanfte Pudertöne, Sand- und Cremefarben, die wie Fleischfarben aussehen, stehen hingegen nur wenigen Menschen. Der Grund: „Von weiten wirkt eine enge Hose im wahrsten Sinne des Wortes wie nackte Beine und Popo“, sagt Schmidt. Nudetöne auf heller Haut lassen die Person blasser und fülliger wirken, sofern sie nicht gertenschlank ist, so die Expertin.