Im Laden, in der Umgebung auch per Lieferwagen: In Finsterwalde sind bei Soreegio regionale Lebensmittel  im Angebot. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Ofenfrisches Brot, Wurstkonserven vom örtlichen Landwirt oder gerade geerntete Möhren und Zucchini: Auch für Wochenmärkte und Hofläden gelten wegen Corona Auflagen. Wie kommt der Kunde dann an Lebensmittel aus Brandenburg? Bestenfalls mit einem Mausklick.  

Die feinen Törtchen lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen, die angebotene Gurkenlimonade weckt erst mal skeptisches Interesse, die Leberwurst muss dann auf jeden Fall mit ins Einkaufskörbchen. Bei Andreas Richter (41) im Laden seiner Firma Soreegio in Finsterwalde gibt es nur Regionales. Etwa zwei Stunden Autofahrt von Berlin-Mitte entfernt erwartet er seine Kunden mit Produkten, die er von 60 Lieferanten bezieht. Die meisten produzieren fast vor der Haustür im Landkreis Elbe-Elster.

„Wer nicht selbst vorbei kommen kann, für den steht rund um die Uhr der Onlineshop offen“, sagt Richter. Jedoch nur im Umkreis von 50 Kilometern rund um Finsterwalde wird geliefert, dämpft er Hoffnungen auf Köstlichkeiten in Berlin am Frühstückstisch. Als Ein-Mann-Firma könne er das – noch – nicht leisten. Mit Unterstützung aus der Familie werden die Bestellungen zusammengestellt und ausgeliefert.

Andreas Richter serviert in seinem neuem Laden am Markt Törtchen. Liefern kann er einstweilen nur im Umkreis von 50 Kilometern um Finsterwalde, will das aber mittelfristig ändern. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

„Die Vermarktung regionaler Produkte durch die Produzenten selbst ist in Zeiten von Corona ungemein schwierig geworden“, sagt Kai Rückewold, Geschäftsführer von Pro Agro, dem Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin. Viele Landwirte hätten aber erkannt: das Online-Geschäft könne ein zweites Standbein zur Kundenbindung sein.

„Wenn sich ein Produzent für einen Onlineshop entscheidet, muss er sich auch dahinterklemmen“, sagt Rückewold. Sich erst nach ein paar Tagen um eine Bestellung zu kümmern, funktioniere nicht. „Man muss das ernst nehmen und in seinen täglichen Ablauf einbinden.“ Wichtig seien Fotos und aussagekräftige Angaben zum Produkt. „Der Kunde muss die gleichen Infos erhalten wie im Supermarkt.“

Am Ende könne man alles verkaufen: Bio sei nicht zwingend notwendig, regional aber auf jeden Fall. Und: „Im Onlineshop sollte es eine gewisse Auswahl geben.“ Wichtig seien auch die Preise, die sich an denen in Hofläden orientieren sollten.

Richter übernimmt mit seiner Firma Soreegio im Auftrag seiner Lieferanten den Online-Verkauf, den er 2017 startete. Bäcker lieferten Brötchen, die nur noch fertig gebacken werden müssen, eine Konditorin fertigt feine Macarons und andere Süßigkeiten, Obst und Gemüse kommt von ihm bekannten Landwirten. „Wenn sich ein kleiner Betrieb keinen Onlineshop leisten kann, dann sind wir am Drücker“, beschreibt Richter sein Geschäftsmodell.

Auf Online-Versand, eigene Geschäfte, aber auch Feinkostläden setzt der Anbieter Q-Regio aus der Uckermark mit 70 Lieferanten. „Molkereiprodukte, aber auch Fleisch- und Wurstwaren – die ganze Bandbreite – stehen bereit“, sagt Geschäftsführer Pieter Wolters. Die Online-Kunden kämen vor allem aus den neuen Ländern. Bestimmte Produkte wie Cheese curds – eine Käsespezialität – gehen ins gesamte Bundesgebiet.