Fernreise in die Sonne: Verlockend, aber wer will schon in Corona-Zeiten verreisen? dpa-tmn

Nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie kommt bei vielen Verbrauchern die Erinnerung an die erste Corona-Welle zurück: Innerhalb weniger Wochen wurden sämtliche Pauschalreisen storniert. Die Reiseveranstalter versuchten alles, um die eigentlich gesetzlich vorgesehene Erstattung des Reisepreises zu verzögern, denn viele standen vor dem Ruin. Schließlich kam die Idee auf, den Kunden Reisegutscheine statt Geld auszuhändigen. Viele Urlauber ließen sich darauf ein, haben diese allerdings bislang noch nicht eingelöst.

Und nun stecken wir wieder in einer Corona-Welle, angeheizt durch die bislang rätselhafte Omikron-Variante des Coronavirus. Die Corona-Zahlen auch in vielen Urlaubsländern steigen an, die Lust, ausgerechnet jetzt zu verreisen, hält sich bei vielen in Grenzen. Was also tun mit dem Gutschein, der in wenigen Wochen verfällt?

Reiseveranstalter fordern Kunden auf, Gutscheine bis Ende 2021 einzulösen

Viele Pauschaltouristen sind verunsichert. Im Jahr 2020 haben sie einen Reisegutschein akzeptiert, wenn eine vor der Corona-Pandemie gebuchte Reise abgesagt werden musste. Etliche von ihnen bekommen derzeit Post von ihrem Reiseveranstalter und werden gebeten, den Gutschein bis Ende des Jahres 2021 einzulösen. Warum ist das so?

Für Reiseverträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden, gelten gesetzlich klare Regeln: Die Gutscheine, die Verbraucher hier ausnahmsweise statt einer finanziellen Erstattung bekommen haben, sind staatlich gegen eine Pleite des Veranstalters abgesichert. Und sie verlieren Ende 2021 ihre Gültigkeit. Gutscheininhaber müssen sich aber keine Sorgen machen: Werden die Gutscheine nicht genutzt, muss der Veranstalter das Geld binnen 14 Tagen auszahlen.

Was Verbraucherschützer raten

Tiana Schönbohm von der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät betroffenen Urlaubern: „Zunächst sollte ich überlegen, ob ich den Gutschein tatsächlich jetzt einlösen möchte und mich nicht unter Druck setzen lassen.“

Wer gerade keinen Urlaub buchen möchte, sollte sich das Geld am besten auszahlen lassen, rät die Expertin. Der Grund: Wird der Gutschein vom Veranstalter verlängert oder ein neuer ausgestellt, greift die staatliche Garantie nicht mehr. Wer dagegen Geld zurückbekommt, kann davon später immer noch einen Urlaub buchen.

Der rechtliche Hintergrund

Reisegutscheine waren im Corona-Jahr 2020 lange sehr umstritten. Die Bundesregierung hatte zunächst erwogen, Gutscheine zur Pflicht zu machen - wie andere EU-Staaten. Das hätte die Reisebranche entlastet, die immense Rückerstattungen für abgesagte Urlaube fürchtete.

Doch die EU-Kommission erhob Einwände. Deshalb entschloss sich die Bundesregierung zu einer Garantie - und zwar auf Gutscheine für ausgefallene Pauschalreisen, die bereits vor dem 8. März 2020 gebucht worden waren. So mussten diese Kunden nicht fürchten, bei einer Pleite des Veranstalters auf wertlosen Gutscheinen sitzen zu bleiben.

Ende 2021 verstreicht nun die Frist zur Einlösung. Urlauber sollten die Auszahlung des Gutscheins „vehement verlangen“, rät Verbraucherschützerin Schönbohm. Das scheint nach ihren Angaben manchmal nötig zu sein: „Die Erfahrung der vergangenen Monate hat gezeigt, dass die Reiseveranstalter mit Erstattungen eher zögerlich waren und teilweise auch bei den Gutscheinen zu tricksen versuchten.“