Der Siegeszug der Fischstäbchen als Lieblingsessen begann in Westdeutschland im Jahr 1959, in der ehemaligen DDR erst 1969. Foto: picture alliance/Ingo Wagner/dpa

Fischstäbchen, Fertigpizza, oder Torte zum Auftauen: Tiefkühlkost ist heute aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Jeder Deutsche konsumiert jedes Jahr durchschnittlich 47 Kilo dieser Lebensmittel, wie das Deutsche Tiefkühlinstitut mitteilt – Tendenz steigend. Die Erfolgsgeschichte der tiefgefrorenen Produkte begann heute vor 90 Jahren.

Am 6. März 1930 wurden in zehn Lebensmittelgeschäften in der Kleinstadt Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts erstmals verpackte Lebensmittel in tiefgekühlter Form verkauft. So steht es in den Archiven des Lebensmittelkonzerns Unilever. Das Angebot war damals eher bescheiden. Es gab Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch.

Der Vater der Tiefkühlkost mit seiner Ware: Clarence Birdseye Foto: Iglo GmbH/dpa

Auf die Idee mit der Tiefkühlung war der amerikanische Meeresbiologe Clarence Birdseye wenige Jahre zuvor auf einer Forschungsreise in die Arktis gekommen. Dort hatte er erlebt, wie die Eskimos die Kälte im Winter nutzten, um Fisch und Fleisch lange haltbar zu machen. Birdseye entwickelte die erste Schockgefrieranlage, die es ihm erlaubte, das nachzuahmen und gab damit den Startschuss für eine boomende Industrie.

Ronald Reagan machte den 6. März zum „Frozen Food Day“

Sie wurde so erfolgreich, dass US-Präsident Ronald Reagan 1984 den 6. März zum „Frozen Food Day“ (Tiefkühlkost-Tag) proklamierte. Die Tiefkühlindustrie habe das Leben der Menschen erleichtert und viele bislang nur saisonal angebotene Produkte dauerhaft verfügbar gemacht, lobte der Präsident. Bis die Tiefkühlkost nach Deutschland kam, dauerte es allerdings Jahrzehnte. Im Jahr 1955 wurden laut Tiefkühlinstitut auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln erstmals solche Produkte präsentiert. Ein Jahr später startete im Rheinland der so genannte „Köln-Bonner-Truhentest“. In der Region wurden 400 Kühltruhen aufgestellt, in denen die Händler ihren Kunden erstmals die ungewohnte Ware anbieten konnten.

In Deutschland trugen auch diverse Tiefkühllieferdienste, wie hier Iglo, zur Verbreitung bei. Foto: Iglo GmbH/dpa

Der Erfolg kam langsam – aber gewaltig. Lag der Pro-Kopf-Verbrauch 1960 noch bei durchschnittlich 400 Gramm Tiefkühlkost im Jahr, so hat er sich seitdem mehr als verhundertfacht. Hatten die Verbraucher anfangs die Wahl zwischen gerade einmal fünf Produkten, so sind heute laut dem Deutschen Tiefkühlinstitut rund 17.000 Artikel im Angebot. Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen des Tiefkühlinstituts in Deutschland insgesamt fast 4 Millionen Tonnen an Tiefkühllebensmitteln konsumiert.

Dabei greifen die Tiefkühlkost-Hersteller Trends im Lebensmittelhandel wie Bio oder Regionalität gerne auf. Und als nachhaltig sieht sich die Branche sowieso. Eine Studie des Öko-Instituts bescheinigte der Tiefkühlkost bereits 2012, trotz des Energieverbrauchs bei der Kühlung zumindest nicht klimaschädlicher als ihre ungekühlten Vergleichsprodukte zu sein. Und gesund ist das ganze auch noch: Beim Schockfrosten bleiben die Vitamine erhalten.