Legenden-Treffen: Max Kruse läuft mit ausgebreiteten Armen auf Christopher Trimmel zu. Beide arbeiten an ihrem Denkmal in Köpenick. Foto: City-Press

Diesen ganz speziellen Doppelpass haben Oliver Ruhnert und Urs Fischer bereits einige Male gespielt. Das auch noch ziemlich perfekt. Kaum ist eine Saison vorbei, präsentiert der Manager dem Trainer nicht nur eine Handvoll neue Spieler, sondern von der Anzahl her eine komplette Mannschaft. Die Absicht: Weil die Eisernen in jedes Spieljahr mit einem ziemlich gravierenden Umbruch gehen, soll der Coach möglichst früh den Kader beisammenhaben.

Lesen Sie auch: Aufsteiger will Union-Legende: Vorfreude auf eisernes Wiedersehen: Bochum baggert an Polter  >>

So aber kommt es, dass Fischer in nur zwei Spieljahren bereits 40 Akteure eingesetzt hat, mehr als es trotz Champions League und Länderspielen Bayern München mit 39 und Borussia Dortmund mit 35 getan haben. Erneut scharren vor dem Punktspiel-Start, der mit dem Match am Sonnabend in der Alten Försterei gegen Bayer Leverkusen vollzogen wird, etliche Neue mit den Hufen: Rani Khedira, Paul Jaeckel, Tymoteusz Puchacz, Levin Öztunali, Genki Haraguchi, Pawel Wszolek, Andreas Voglsammer, Rick van Drongelen, Timo Baumgartl, Kevin Behrens, Frederik Rönnow …

Trimmel ist für viele Fans die Nummer eins

Das zeigt, dass der Moment schnelllebig ist. Zugleich aber sollte Zeit sein für neue Legenden. Wie für Christopher Trimmel und Max Kruse, für Marvin Friedrich und Andreas Luthe, für Taiwo Awoniyi und vielleicht auch einmal für Frederik Rönnow.

Geht es darum, sich als Fan mit einem Spieler zu identifizieren, dann ist Trimmel dafür die Nummer 1. In seine achte Saison geht der Österreicher in Köpenick, seit er 2014 ein Eiserner geworden war. Ganze drei Vereine stehen in seiner Historie vor dem 1.FC Union: USC Mannersdorf (acht Jahre), ASK Horitschon (2) und Rapid Wien (6). Damit steht eigentlich schon fest, dass am Ende seiner Laufbahn die Alte Försterei das Stadion sein wird, in dem der Kapitän seine meisten Heimspiele ausgetragen haben wird.

Doch Trimmel schreibt gerade noch ein ganz anderes Kapitel im „Goldenen Buch“ der eisernen Historie. Er könnte der Dauerbrenner der Rot-Weißen werden. Zu den stabilsten Spielern gehört er ohnehin, mit 63 Einsätzen ist er auch einer, der nicht wegzudenken ist aus dem System von Urs Fischer, von Tor-Vorbereitungen einmal ganz abgesehen. In dieser Kategorie gehört Trimmel sogar zur Crème de la crème der Bundesliga: Im ersten Jahr assistierte er für zehn Tore, in der zweiten sogar für elf. Allein Abwehr-Mitstreiter Marvin Friedrich, der als 25-Jähriger eine deutlich längere Karriere vor sich sieht als der 34-jährige Team-Oldie, hat mit 65 Einsätzen zwei mehr. Allerdings stechen bei Trimmel gleich mehrere Trümpfe: Abgeklärtheit und Erfahrung, Auge und Bärenruhe, vor allem aber Mentalität.

Noch hat Anderson die Nase vor Kruse 

Wie schnell sich das eiserne Gefüge von Jahr zu Jahr ändert, wird fast noch deutlicher an der Anzahl der Torschützen. Elf verschiedene Spieler trugen sich im Jahr nach dem Aufstieg in die Torschützenliste ein, für einen Neuling nicht schlecht. Im zweiten Jahr waren es sogar 15, wobei es sowohl im ersten als auch im zweiten nur vier schafften, von denen inzwischen einer auch schon nicht mehr dabei ist: Marius Bülter (7+1), Marcus Íngvartsen (5+3), Marvin Friedrich (2+5) und Robert Andrich (1+5).

Bleibt die Frage nach dem aktuellen Top-Torschützen. Max Kruse, völlig klar, zumal nach seinem goldenen Tor jüngst im DFB-Pokal. Na ja, nicht ganz. Noch nämlich hat Sebastian Andersson knapp die Nase vorn. Die zwölf Treffer des Schweden wurden von Kruse im Jahr darauf, auch weil er weniger gespielt hat, nicht ganz erreicht. Mit seiner nächsten Bude aber zieht der Alleskönner gleich – und die Hoffnung bei den Fans ist riesig, dass dem Dutzend noch viele weitere Tore folgen.

Lesen Sie auch: Saisonstart gegen Leverkusen: Union-Trainer Urs Fischer: Favorit? So weit sind wir noch lange nicht! >>

Trimmel und Kruse haben das Zeug zu Legenden. Für viele Fans sind sie es bereits. Nicht umsonst war der eine für Österreich bei der EM, der andere für Deutschland bei Olympia. Aber es gibt auch andere, Robin Knoche und Robert Andrich, Keita Endo und Cedric Teuchert, vielleicht auch Grischa Prömel und Sheraldo Becker. Eines jedenfalls ist auch vor der dritten Saison des 1. FC Union in Deutschlands Eliteliga sicher: Das „Goldene Buch“ der eisernen Historie steht jedem offen.