Union-Trainer Urs Fischer kennt sich mit Derby bestens aus und will Hertha BSC am Sonnabend ein zweites Mal besiegen. Imago

Eines steht fest und es könnte gut und gern auch in eine Stadionwand zementiert sein: Urs Fischer ist der beste Trainer, den der 1. FC Union in seiner Bundesliga-Historie hatte. Er ist, schon klar, auch der einzige. Nur: In seinen bisherigen 78 Erstligaspielen als Eisern-Coach (beim 0:2 in der ersten Saison gegen die Bayern war er nicht dabei) kommt Fischer auf 108 Punkte. Das sind 1,4 pro Spiel. Wie sich gezeigt hat, genügt das dicke, um in der Bundesliga zu bestehen.

Es gibt punktbessere Trainer bei den Eisernen, keine Frage. Schließlich haben sich bereits ziemliche Größen in Köpenick versucht. Manche, wie vor allem Heinz Werner und viel später Frank Pagelsdorf, Georgi Wassilew und Uwe Neuhaus, haben mit Bravour bestanden. Andere, so Aleksandar Ristic, Frank Wormuth, Mirko Votava und Norbert Düwel, sind teils krachend gescheitert. Wieder andere, am ehesten Frank Engel und unmittelbar nach ihm Hans Meyer, wurden gescheitert.

Fischer führt Union in exklusiven Kreis

Etliche von ihnen hatten vielfach deutlich bessere Bilanzen als Fischer, nur hießen bei Pagelsdorf die Gegner Bergmann-Borsig, FSV Velten und Rot-Weiß Prenzlau, bei Engel Spandauer SV, Optik Rathenow und Lok Altmark Stendal, bei Meyer Sachsen Leipzig, Wacker Nordhausen und Bischofswerdaer FV. Nichts gegen diese Konkurrenz, aber das war schon damals nicht der Anspruch in der Alten Försterei. Nur war seinerzeit an die Bayern, außer sie kamen zum Benefizspiel, in den kühnsten Träumen nicht zu denken.

Die und andere Hochkaräter aber gehören zu der erstklassigen Gegnerschaft, mit der es Fischer mit seinem Team zu tun hat, und zwar vom ersten Tag an. Hamburger SV und 1. FC Köln waren die großen Namen im ersten rot-weißen Trainerjahr des Schweizers in Liga zwei, über den VfB Stuttgart – wer könnte das je vergessen! – öffnete sich den Eisernen die Tür in den exklusivsten Kreis, den das Land des viermaligen Weltmeisters zu bieten hat. Da sind 1,4 Punkte pro Spiel ein absoluter Hammer.

Unions Fischer kann Derby

Stellt sich vor dem neuerlichen Duell am Sonnabend gegen den Stadtrivalen Hertha BSC trotzdem die Frage: Kann Fischer auch Derby? Ja, er kann, auch wenn seine bisherigen vier Vergleiche Union mit einem Sieg (Sie wissen schon, das 1:0 durch den Elfmeter von Sebastian Polter), einem Unentschieden und zwei Niederlagen knapp im Hintertreffen sehen.

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In der Schweiz sieht es viel besser aus. Als Fischer in der Saison 2007/08 Co- und von April 2010 bis März 2012 Trainer des FC Zürich war, gewann er mit seinem Team gegen den Stadtrivalen Grasshoppers drei von den vier üblichen Ligaspielen einer Saison. Sogar ein 6:0, der erste Dreier nach zuvor drei Niederlagen zum Start ins Spieljahr 2011/12, war dabei. Außerdem ist es der höchste Derby-Sieg des FCZ über die Grasshoppers. Die gelten in Zürich als Team der Oberschicht, der FCZ als das der Arbeiter. In dieser Hinsicht hat Fischer in Berlin einen ähnlichen Hintergrund. Nur in einem Punkt nicht, dem nämlich, dass die Vereinsfarben des FC Zürich blau und weiß sind …

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Ex-Stürmer Sebastian Polter traf beim ersten Berliner Bundesliga-Derby zwischen dem 1. FC Union gegen Hertha BSC 2019 per Elfmeter zum 1:0-Sieg.

Außerdem sitzt die Feindschaft zwischen Letzigrund, wo der FC Zürich zu Hause ist, und dem ehemaligen Hardturm, bis zum Abriss im Jahre 2008 Heimstätte der Grasshoppers, die seitdem im Letzigrund so etwas wie ein Untermieter sind (kennt Union mit dem Olympiastadion ja irgendwie auch), viel tiefer. Zudem lagen die beiden Spielstätten, nur durch die Gleise der Schweizerischen Bundesbahnen getrennt, in unmittelbarer Nachbarschaft. Spieler, die „über die Gleise“ wechselten, gab es jahrzehntelang nicht. Wenn irgendwann doch, dann hatten die vor allem im Derby nichts zu lachen.

Union und Hertha haben noch 100 Jahre Zeit

Im Gegensatz zum Derby zwischen den Jungs aus Köpenick und denen aus Westend – Gott bewahre! – hat es in Zürich schon mal richtig gekracht. Als „Schande von Zürich“ gilt die Partie vom 2. Oktober 2011 – auch da war Fischer Trainer. Grasshoppers-Fans hatten bei einem Einbruch FCZ-Fahnen gestohlen, die Bestohlenen wiederum warfen gegen Ende des Spiels eine Magnesiumfackel in den gegnerischen Fan-Block. Die Folge: Spielabbruch; Wertung 3:0 für die Grasshoppers, die ohnehin 2:1 geführt hatten; pro Verein 50.000 Schweizer Franken Geldstrafe; nächstes Derby unter Ausschluss der Zuschauer.

Heiß soll es auch am Sonnabend zugehen, nur bitte nicht überhitzt. Allerdings war diese „Schande von Zürich“ bereits das 226. Derby. Dafür hätte man in der Bundesliga, wir stehen ligaübergreifend beim neunten Hauptstadt-Derby und es müsste wie am 19. Januar ab und an ein Pokalspiel dazu- und nichts anderes dazwischenkommen, ungefähr 100 Jahre Zeit. Mal sehen …

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