Zwei Ex-Herthaner unter sich: Robert Andrich und Anthony Brooks nach dem 2:2 zwischen dem 1. FC Union und dem VfL Wolfsburg. Foto: Matthias Koch

Man kann es so machen wie Cristiano Ronaldo. Sich in Pose werfen. Zum fleischgewordenen Denkmal seiner selbst werden. Breitbeinig vor den Ball, teils mit herausgestreckter Brust, die Hände vom Körper weit abgespreizt. Man kann es so machen wie Robert Andrich vor dem 2:1-Führungstreffer gegen den VfL Wolfsburg. Zwei, drei kurze Schritte Anlauf und ohne viel Gedöns, aber mit viel Gefühl die Kugel über die Mauer hinweg ins Dreiangel heben. Typisch Andrich eben. 

Moment mal, Andrich? „Er ist einer unserer Freistoßschützen. Er trainiert das auch immer wieder unter der Woche“, meinte Urs Fischer, der als mögliche Schützen in Abwesenheit von Max Kruse die beiden Christophers – Lenz und Trimmel – Marcus Ingvartsen sowie eben Andrich benennt. 

Es war das erste Freistoßtor der Köpenicker in dieser Spielzeit. Ein schönes dazu. Dass diese Qualität des gebürtigen Potsdamers bislang kaum zu bewundern gewesen war, sondern beim 2:2 gegen Max Kruses Ex-Klub Wolfsburg auf einmal auffiel, hat einen simplen Grund. „Wir üben das auch unter der Woche viel, aber wir bekommen eben zu wenig Freistöße unmittelbar am Strafraum. Da wird es dann schwierig, ein Freistoßtor zu schießen“, meinte Fischer.

Rüber und rein: Robert Andrich hebt den Ball gefühlvoll über die Mauer ins Dreiangel des Wolfsburger Tors.  Foto: dpa/John Macdougall

Andrich wird zu Unrecht oft nur als Mann fürs Grobe empfunden. Tatsächlich hat er in dieser Spielzeit erst zwei Verwarnungen in zwölf Spielen kassiert. Weil da aber auch noch die im Überschwung sich eingehandelte Rote Karte im Spiel gegen Hertha im Unterkopf mitschwingt, bekommt er weiterhin den Stempel Rüpel vom Dienst aufgedrückt. Womit man ihm wirklich nicht gerecht wird. 

„Ich glaube, dass Robert Andrich mit einer sehr guten Technik ausgestattet ist, das hätte jedem schon früher auffallen müssen, muss ich sagen. Er wird ständig auf sein robustes Spiel reduziert, nur weil er es in dem einen oder anderen Duell ein bisschen übertreibt. Das ist gesunde Härte, die gehört dazu“, sagte Fischer.

Ich hätte lieber gewonnen als getroffen.

Robert Andrich

Fischer erfreut also nicht nur der robusten Spielweise des 26-Jährigen, sondern er sieht beim dem mittlerweile vierfachen Torschützen – auch da hat Andrich im Vergleich zu seinem ersten Bundesligajahr deutlich zugelegt –  noch viel mehr positive Eigenschaften. „Er ist einer, der sich aus Druck lösen kann und eine Spielfortsetzung hinbekommt.“

Andrich haderte am Ende ein wenig mit dem Remis. Sein Übungsleiter konnte damit gut leben. Für Fischer war das Glas nach dem nächsten Punkt auf dem Weg zum angepeilten Ziel – muss hier nicht ständig wiederholt werden, weiß jeder – halb voll. Andrich knochentrocken: „Ich hätte lieber nicht getroffen, dafür aber gewonnen.“ Klingt eher nach halb leer.