Wolfgang Matthies schaut auch heute noch seinen Unionern immer genau auf die Füße, besonders natürlich bei den Keepern (r.). Imago/Contrast, Imago/ Christian Schroedter

Der 1. FC Union hat einen Meilenstein in seiner Vereinshistorie gesetzt: Rang 7 in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, als einziges Team gegen Bayern München nicht verloren, in letzter Sekunde den Vizemeister geputzt und die Play-offs für die Europa Conference League geschafft. Wegbegleiter, Haudegen von einst und Sympathisanten ziehen ihr ganz persönliches Fazit. Heute: Wolfgang Matthies.

Kaum jemand hat so viel Eisern-DNA in seinem Körper wie Wolfgang Matthies. Es gibt nichts, was der 67-Jährige mit seinem 1. FC Union nicht erlebt hat: Debüt 1974 in der zweitklassigen DDR-Liga, 1976 Aufstieg in die Oberliga, danach große Spiele gegen den BFC Dynamo, viele erfolgreiche Schlachten gegen den Abstieg, viermaliger Union-Spieler des Jahres, 2006 zum wertvollsten Spieler der Vereinshistorie gewählt … Dieser Mann hat es geschafft, im Kult-Verein selbst Kult zu sein.

Damit ist zugleich auch völlig klar, dass der einstige Torhüter, mit 159 Erstligaspielen an Einsätzen die Nummer 3 hinter Lutz „Meter“ Hendel (191) und Joachim „Bulle“ Sigusch (160), ganz genau hinschaut, wenn die Rot-Weißen in der Bundesliga auflaufen. Noch genauer schaut er hin, wenn es um seine Nach-Nachfolger im Kasten geht, zumal es in Sachen Kompetenz bei Schlussleuten gerade bei Matthies keinerlei Zweifel geben kann. Deshalb rüttelt auch niemand daran, wenn der Torwart-Oldie sagt: „Für die Nummer 1 und dafür, wie Trainer Urs Fischer die Sache mit den Torhütern gemanagt hat, gibt es jeweils eine glatte 1!“

Wolfgang Matthies über Unions Keeper: Torwartwechsel nur bei Verletzung oder Leistungsloch

Von Anfang an, vom ersten Tag, da Loris Karius in der Alten Försterei eingetroffen ist, hat Matthies gehofft und die Daumen gedrückt, dass Andreas Luthe zwischen den Pfosten bleibt. „Er hatte die ersten Spiele bereits bestritten und sich eine Position und einen gewissen Vorteil erarbeitet“, sagt Matthies, „deshalb hätte ich es nicht verstanden, wenn der Trainer auf dieser wichtigen Position gewechselt hätte. Das bringt in den wenigsten Fällen was und taugt nur, wenn sich die Nummer 1 verletzt oder wirklich in ein Loch fällt.“

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Da das bei Luthe nicht passiert ist und nicht einmal ansatzweise die Gefahr dazu bestand, beurteilt Matthies die Sache so: „Das mit den Torhütern hat der Trainer ganz hervorragend gemacht. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn er sich anders entschieden hätte.“

Niemand nämlich weiß besser als solch ein alter Torwart-Haudegen wie „Potti“, dass der Wechsel eines Torhüters auch in die Hose gehen kann: „Nirgends ist das blinde Verständnis wichtiger als zwischen Torhüter und Abwehr. Da greift ein Rädchen ansatzlos ins andere. Also sollte man diese Balance ohne Not nicht verändern und deshalb hat der Trainer diese Personalie einmalig gut geregelt.“

Union-Legende Wolfgang Matthies: „Andreas Luthe hatte gegen Leipzig einen Sahne-Tag“

Vor allem mit der letzten Partie, dem 2:1 gegen Leipzig und dem triumphalen Finale für das Erreichen von Europa, bei dem Matthies unter den 2000 Zuschauern in der Alten Försterei sein durfte, sieht der Ex-Torhüter sich und den Coach bestätigt. „In diesem Spiel hat man es mehr denn je gebraucht, dass Torhüter und Abwehr eine Einheit sind. Luthe hat da einen wahren Sahne-Tag erwischt, er war mit seinen Paraden immer da, bekam irgendwie immer das Bein, den Arm, die Finger, den Körper an den Ball. Dazu aber brauchst du Vertrauen, viel Vertrauen. Das bekam er die ganze Saison über und das hat sich mit dem Erreichen von Europa ausgezahlt.“

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Beim Lob von Torhüter zu Torhüter aber will Matthies es allein dann doch nicht belassen. „Es war eine ganz tolle Serie, von Anfang an“, sagt er, „da hat alles gepasst, wirklich alles. Und bei allem Glück der letzten Minute: Verdient hat die Truppe sich das. Das macht mich froh und sogar ein wenig stolz.“