Taiwo Awoniyi feiert seinen ersten Treffer für Union. Foto: Imago Images/Poolfoto

Urs Fischer ist, bei aller Bescheidenheit, so etwas wie ein Zauberer. Wie er mit den Eisernen derzeit die Liga aufmischt, ist aller Ehren wert, wie er sie dabei von einer liebenswerten Langholztruppe zum taktisch vielleicht interessantesten Team Deutschlands transformiert hat, verdient alle Lobeshymnen, die zuletzt gesungen wurden. Vor allem aber weckt er in Spielern, deren Optimum bereits erreicht schien, ungeahnte Kräfte. Robert Andrich ist das beste Beispiel, weitere Spieler sind Christopher Lenz oder zuletzt Sheraldo Becker. Und der nächste steht mit Taiwo Awoniyi schon in der Startlöchern.

Der 23-Jährige hatte bislang keine leichte Karriere. Als Teenager vom FC Liverpool aus Nigeria an die Mersey geholt, durfte er mangels Arbeitserlaubnis in England weder trainieren noch spielen und wurde von da an in Europa von Leihverein zu Leihverein herumgereicht. Keine leichte Zeit, wie er vor einigen Wochen gestand, weil er nie Wurzeln schlagen konnte. Und selbst im vergangenen Jahr, als er bei Mainz 05 zwar eine gute Zeit hatte, aber nur ein Tor im gesamten Spieljahr erzielte, kam er nicht so richtig an.

Was davon zu merken ist, seit er an die Eisernen ausgeliehen ist? Nichts! Der Nigerianer kam mit einer derart breiten Brust an die Alte Försterei, dass man sich fragen musste, wo der Junge sein Selbstbewusstsein hernimmt. Dass Awoniyi sich dabei dennoch stets tief demütig äußerte, klingt paradox, unterstreicht aber, was der 1,83-Meter-Mann in seiner Gesamtheit für ein Gewinn für die Unioner ist. Nach seinem Debüttreffer in Köln, bei dem er sich stark gegen zwei Kölner Verteidiger durchsetzte, erklärte er: „Ich habe mich echt auf dieses erste Tor gefreut. Aber die Vorlage von Marcus Ingvartsen war genauso stark, und überhaupt geht es gar nicht um mein Tor, sondern um den Erfolg für die Mannschaft.“

Kein Wunder, dass auch Urs Fischer nur positive Worte für seinen derzeit einzig verfügbaren Stoßstürmer fand: „Taiwo hat viele Bälle fest gemacht, wurde auch in einigen Situationen gefährlich und hat dazu toll in der Rückwärtsbewegung für das Team gearbeitet.“ Den schnellen Aufschwung des Torjägers erklärt sich der Schweizer so: „Man hört derzeit häufiger von den neuen Spielern, dass sie sehr schnell in die Mannschaft integriert werden. Das ist, glaube ich, die wichtigste Voraussetzung, um solche Leistungen zu erbringen. Taiwo hat zudem seit seiner Ankunft hier genügend Minuten gespielt, was ihm sicher auch ein gewisses Selbstvertrauen gegeben hat. Dazu hat er in Köln genau auf dieser Position gespielt, die er am liebsten hat.“

Weil Awoniyi aufgrund der Verletzungen von Joel Pohjanpalo und Anthony Ujah in den nächsten Wochen noch häufiger auf dieser Position zum Einsatz kommen dürfte, würde es nicht verwundern, wenn Zauberer Fischer aus ihm den nächsten Union-Star macht.