Unions Vizekapitän Marvin Friedrich weiß, dass das Geschrei bei einem Wechsel zu Hertha BSC groß gewesen wäre. imago/Xinhua

Die Transferbombe erwies sich als Blindgänger. Marvin Friedrich verlässt den 1. FC Union nicht in Richtung Hertha BSC. Aber damit ist das Thema längst nicht tot. Vielmehr kocht es jetzt erst richtig hoch. Schon bei Unions Einzug ins Olympiastadion in der Conference League wurde das äußerst sensible Verhältnis der Rivalen getestet. Der vermeintliche Wechsel prüft die Vereine noch mal eine Qualität höher: Kann man sowas wirklich machen?

„Ich habe die Stimmung auf der Tribüne an der Alten Försterei mitverfolgt. Ich kann die großartigen Union-Fans beruhigen: Schon allein wegen meiner großen Verbundenheit zu Union werde ich definitiv nicht zu Hertha gehen!“, sagt Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich und gab damit Hertha BSC einen Korb.

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Spektakuläre Wechsel zwischen großen Rivalen gab es immer. Andreas Möller ging von Borussia Dortmund zu Schalke, Steffen Freund den umgekehrten Weg. Jens Jeremies wurde vom blauen Wadenbeißer bei 1860 München zu einem roten bei den Bayern. Der große Bernd Schuster kickte sowohl für Real Madrid, Barcelona als auch Atletico Madrid.

Beifall der Fans ist Friedrich sicher

Friedrich– immerhin Vizekapitän der Eisernen – kann sich mit seiner Absage bei den um ihn buhlenden Herthanern des Beifalls der Köpenicker sicher sein. Endlich mal kein wortbrüchiger Wappenküsser, sondern einer, der es verstanden hat. Keiner hätte einen Wechsel nachvollziehen können. Das Herz der Fans wäre sowieso vor Empörung zersprungen.

Was will er denn beim Schlusslicht, wenn er bei dem Klub, der ihn groß gemacht hat, Europapokal spielen kann? Kann es wirklich nur um Kohle gehen? Geld allein macht keinen glücklich. Und finanziell schlechter dastehen wird Friedrich auch nicht, wenn er doch noch bei einem anderen Bundeligisten sein Heil suchen sollte.

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In Berlin ist die Gemengelage eben derzeit alles noch ein Zacken schärfer. Noch heikler. Hier der gefühlt ewige Underdog, der diese Rolle genießt und aus wenig sehr viel macht. Dort die Neureichen, die es scheinbar nicht verstehen, mit dieser Kohle auch etwas Sinnvolles zu tun. Die Gefühlslage ist ohnehin aufgeheizt durch Unions Europacupgastspiele im Olympiastadion ...

Ost-West-Problematik 

Die Ost-West-Problematik spielt auch noch eine Rolle, auch wenn die Wiedervereinigung mittlerweile 31 Jahre zurückliegt. Das Binnenklima stimmt nicht mehr. Nein, Friedrich wäre mit einem Wechsel zu Hertha bei den Union-Anhängern unten durch gewesen. Im Westend der Stadt wäre er mit Misstrauen betrachtet worden von den Rängen. Und falls er bei den Blau-Weißen mal nicht so gut gespielt hätte, wäre die Rolle des Sündenbocks ganz schnell auf ihn gefallen.

Die Zeiten sind vorbei, wo beispielsweise ein Sixten Veit nach Köpenick ging oder ein Marko Rehmer sich auf einmal im Dress der Blau-Weißen wiederfand. Erstens trennten die beiden Klubs damals sportlich Welten. Und zweitens fanden sie auch jeweils nur über Umwege zum Ortsrivalen.

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