TV-Experte Torsten Mattuschka erwartet ein schweres Jahr für seinen 1. FC Union, an dessen Ende aber wieder der Klassenerhalt steht. Imago/Tim Rehbein

Elf, sieben, fünf – und nun? Torsten Mattuschka grätscht schneller dazwischen, als er zu seinen aktiven Zeiten über den Rasen rannte. „Stopp, so geht das nicht“, meint die eiserne Legende. „Niemand kann doch ernsthaft erwarten, dass es beim 1. FC Union platzmäßig immer nur bergauf geht“, so der 41-Jährige, der heute unter anderem auch als Zweitligaexperte für den Bezahlsender Sky arbeitet. Er erwartet eine ganz schwere Saison für seine Köpenicker, die am Montag in die Saisonvorbereitung starten.

Die Begründung liefert er gleich hinterher. Die Aufsteiger sind keine klassischen Zweitligateams. Bremen und Schalke werden sich nicht automatisch unten einsortieren wie im Vorjahr Bielefeld und Fürth. „Für Union kann es erst einmal nur darum gehen, drei Teams zu finden, die am Ende hinter ihnen liegen. Es geht allein um Platz 15!“, so der Co-Trainer der VSG Altglienicke, mit der er seit dieser Woche in die Vorbereitung auf die neue Regionalliga-Spielzeit eingestiegen ist.

Es gelte für den 1. FC Union wie im Vorjahr erst die 40 Punkte vollzumachen und danach weiterzuschauen, ob mehr möglich ist. „Klingt vielleicht nicht spannend. Aber Union ist gut damit gefahren. Warum sollen sie das ändern?“, so der Zweitliga-Rekordtorschütze der Köpenicker (42 Treffer) neben Sebastian Polter. Geht halt wieder über die klassischen Union-Tugenden: Kämpfen, Kompaktheit, Umschaltspiel. Nimmermüdes Rackern.

Torsten Mattuschka langt der erneute Klassenerhalt beim 1. FC Union

Dabei geht es Mattuschka nicht darum, dass die Eisernen sich kleiner machen sollen, als sie sind, oder gar ihr Licht unter den Scheffel stellen. Für ihn ist das keine Tiefstapelei. „Platz fünf ist doch nicht normal. War im Vorjahr auch Platz sieben nicht. Natürlich hat Union vieles richtig gemacht. Aber in erster Linie sehr viele andere sehr viel falsch“, verweist er auf Frankfurt, Gladbach, Wolfsburg & Co. Auch den Stadtrivalen hätte er nennen können.

Auf den trifft Union ja gleich am ersten Spieltag. Also zu einem Zeitpunkt, wo noch keiner eingespielt ist. Das kann nach hinten losgehen. „Das ist nicht optimal“, so Tusche.  Und das Auftaktprogramm meint es insgesamt nicht gut mit den Köpenickern. Denn in den Heimspielen zwei und drei bekommt man es mit Leipzig und dem FC Bayern zu tun. „Man muss es ja so nehmen, wie es kommt. Aber einfach ist das nicht“, will Tusche einen Fehlstart nicht beschreien, aber auszuschließen sei er auch nicht.

Torsten Mattuschka ist gespannt auf Janik Haberer und Paul Seguin

Wichtig sei dann, die Ruhe zu bewahren. Also das, was der 1. FC Union in seinen ersten drei Bundesligajahren unter Trainer Urs Fischer so trefflich vorexerziert hat. Überzogene Erwartungen im Umfeld würden eher nicht ausbrechen. „Sicher, es gibt immer ein paar Träumer. Aber der größte Teil der Union-Fans ist realistisch eingestellt, weiß, wo man herkommt“, so Tusche weiter. Und was von außen an den Klub herangetragen wird, hätte in Köpenick noch nie groß einen geschert.

Kennen sich noch gut aus Cottbuser Tagen: Sven Michel und Torsten Mattuschka (r.). Imago/Matthias Koch

Was er mit Spannung erwartet, ist, zu sehen, wie Manager Oliver Ruhnert und Urs Fischer den erneuten Substanzverlust wettzumachen gedenken. Bislang hat das ja jedes Jahr hingehauen. Garantien dafür gibt es aber eben nicht. „Mit Robert Andrich, Marvin Friedrich, Max Kruse und so ist ja ein ganzes Gerüst weg. Jetzt geht aber auch noch Grischa Prömel, unser Ballklauer. Ich bin gespannt, wie das wird. Mal sehen, wie Janik Haberer und Paul Seguin das hinbekommen. Auf die freue ich mich am meisten“, meint der einstige Spielmacher der Eisernen.

Wobei er allerdings Bauchmerzen mit einem möglichen Abgang von Taiwo Awoniyi hat. „Einen 15-Tore-Mann musst du erst einmal finden. Auf Bäumen wachsen die nicht“, so Mattuschka nachdenklich. Könnte seiner Meinung nach übrigens die Chance für Sven Michel werden. „Ich kenne ihn ja noch aus Cottbus. Der ganze Wechsel war nicht so einfach für ihn. Dann wurde er wieder Papa. Aber wenn der sich richtig eingewöhnt hat, mehr Minuten bekommt, kann der zeigen, was in ihm steckt“, glaubt Mattuschka.

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