Michael Parensen zusammen mit Christian Gentner nach dem letzten Spieltag der Saison. LeGente bliebt den Eisernen noch ein Jahr auf dem Feld erhalten, der ewige Micha tauscht das Jersey mit der Bürokluft. Foto: imago images/Matthias Koch

Was für ein Jahr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zwölf Monate lang hielten Hertha BSC und der 1. FC Union die Hauptstadt in Atem. Langweilig war echt anders! Hier vier Trainer in einer Spielzeit, Stadtmeisterschaft, Geldsegen von Lars Windhorst, verbunden mit dem Ziel, sich endlich im Konzert der Großen zu etablieren. Dort wackerer Abstiegskampf, vorzeitige Rettung und der Abtritt eines Urgesteins. All das in Zeiten von Corona. Geisterspiele statt begeistertem Publikum. Schön ist anders. Doch am Ende lagen die Hauptstadt-Rivalen in der Tabelle friedlich nebeneinander, getrennt nur durch die Tordifferenz. Das hätten beim Ligastart im August 2019 wohl nur wenige für möglich gehalten. Seit Dienstag lesen Sie im KURIER die großen Serien über Hertha und Union.

Teil 3: Wenn man Urs Fischer fragt, was für ihn der Knackpunkt der Saison gewesen ist, erwähnt der Schweizer gerne den Auswärtssieg in der Rückrunde in Köln. Am 31. Spieltag hatten die Eisernen durch das 2:1 in der Domstadt sich ein sattes Sieben-Punkte-Polster auf den Relegationsrang verschafft. Doch wenn man Michael Parensen fragt, sieht er einen ganz anderen Spieltag als Schlüsselerlebnis für die Köpenicker auf dem Weg zum Klassenerhalt. Am fünften Spieltag kassierten die Köpenicker in Leverkusen ein 0:2. Das ließ intern die Alarmglocken schrillen.

Beim Podcast von Plattsport.de erinnert sich der 34-Jährige: „Wenn Leverkusen damals ernst gemacht hätte, hätten wir ganz, ganz leicht sechs, sieben Dinger kassieren können. Da waren wir wirklich ganz, ganz weit entfernt davon, bundesligareif zu spielen. Da Hat Christian Gentner gesagt: Das ist nicht Union-like. Das ist nicht das Gesicht, das Union in der Bundesliga zeigen will.“

Parensens erstes Bundesligaspiel endet mit Sieg gegen Freiburg

Ein schöner Einblick, welche Rolle der schwäbische Routinier für das Binnenleben der Mannschaft spielte im Verlauf der Saison. Es kam zur Aussprache im Team. „Darauf haben wir uns als Mannschaft auch die Frage gestellt: Was ist denn das, was wir eigentlich verkörpern wollen in der Liga? Wie wollen wir auftreten, wie wollen wir uns präsentieren auf der Bühne, was sind unsere Möglichkeiten, wie können wir Punkte holen? Ich glaube, dass das ein total guter Punkt war, eine Initialzündung für uns als Mannschaft zusammenzuwachsen und auch zu einer gemeinsamen Marschroute zu finden“, so Parensen, der noch tiefere Einblicke in das Seelenleben des Teams gestattete.

„Bis dahin waren wir recht unsicher, was uns erwartet in der Bundesliga. Das war ein Punkt, wo wir gemerkt haben, okay, wenn wir ängstlich spielen, zurückhaltend spielen, wenn wir passiv sind, dann werden wir einfach keine Chance haben. Wenn wir nicht aktiv Fußball spielen und nicht in jedem Spiel an den 100 Prozent Leistung und Leidenschaft kratzen, dann werden wir einfach keine Punkte holen. Das war für mich ein mitentscheidender Punkt in dieser Saison, auf jeden Fall“, sagte der „ewige Micha“.

Der weitere Verlauf gab ihm recht. Es gab zwar noch zwei weitere Niederlagen in Folge gegen Frankfurt (1:2) und in Wolfsburg (0:1) und damit Verbunden das Abrutschen auf Rang 16, aber in beiden Partien bisschen sich die Eisernen fest, waren nah daran zu punkten und wussten nun, was sie zu tun hatten.

Der Lohn der Mühen folgte prompt. „Mit dem Spiel gegen den SC Freiburg, der bis dahin einen herausragenden Saisonstart vorzuweisen hat, konnten wir einen anderen Weg einschlagen. Mein erstes Bundesligaspiel endete mit einem souveränen 2:0-Sieg und der Erkenntnis: Es geht auch auf diesem Niveau“, sagte Parensen vor dem Düsseldorf-Spiel in einem Gastbeitrag für den KURIER. Und wie das ging, möchte man meinen, auch wenn zwischendrin manche Durststrecke auf die Eisernen wartete. Die wurde aber unter Urs Fischer, der mit seiner ruhigen Art dem Team guttat, bei Erfolgen nie abhob und bei Misserfolgen akribisch weiterarbeitete, aber dann auch gemeistert.

Am Freitag Lesen Sie: Warum Corona den Eisernen nach der Derbyniederlage half.