Der Ball-Anbeter: Robert Andrich scheint das Spielgerät auf magische Weise beschwören zu wollen.  Foto: AFP/Ina Fassbender

Unions Chefcoach Urs Fischer ist keiner, der Einzelne gern groß herausstellt. Er ist ein großer Verfechter des Teamgedankens. Folglich käme es ihm auch nicht groß in den Sinn, in Jammern und Wehklagen auszubrechen, wenn einer seiner Schützlingen verhindert ist. Was uns unmittelbar zu Robert Andrich führt. Der sah beim 1:1 in Leverkusen seine fünfte Verwarnung und verpasst somit den Schlussakkord am Sonnabend gegen Leipzig. 

Dass es den Mittelfeldspieler der Eisernen überhaupt erst am 33. Spieltag erwischte, zeigt neben seinen fünf Saisontoren, wie sich der 26-Jährige in seinem zweiten Bundesligajahr weiterentwickelt hat. Im Vorjahr kassierte er elf Verwarnungen und traf nur einmal ins Schwarze. Nun fehlt Andrich aber zum so wichtigen Saisonabschluss, wenn die Eisernen noch um Europa kämpfen.

Andrich aus Quarantäne-Hotel abgereist

Für Fischer könnte das Leipzig-Spiel ohne seinen Mittelfeldabräumer bereits ein Vorgeschmack auf die kommenden Saison werden. Denn Andrich, der am Sonntag aus der Teamquarantäne vorzeitig in die Freizeit entlassen wurde, wird immer wieder mit englischen Klubs in Verbindung gebracht. Allen voran ist das Interesse von Premier-League-Aufsteiger Norwich City bekannt. 

„Es schmerzt natürlich, aber wir müssen schauen, welche Lösung wir gegen Leipzig finden“, gab der 55-Jährige immerhin zu. Denn Fischer weiß genau, dass Andrich entgegen seinem stets öffentlich vorgetragenen Postulat des Teams eben doch ein Unterschiedsspieler ist. Einer, der das Kollektiv besser macht allein durch seine Anwesenheit.

Zu bestaunen war das beim 0:3 in Wolfsburg - durch Andrichs Abwesenheit wegen einer Zeh-Verletzung. Zu bewundern in Leverkusen, wo er neben Max Kruse - auch so ein Unterschiedsspieler - vielleicht der beste Mann auf dem Platz war. 

Robert Andrich sieht von Schiri Patrick Ittrich den Gelben Karton und muss nun gegen Leipzig passen. Foto: imago/Kirchner-Media

Die natürlichste Variante, Andrich zu ersetzen, wäre Grischa Prömel. Doch den scheint eine seltsame Muskel-Malaise befallen zu haben, die Union wieder einmal nicht näher erläutert, wohl aber zu erkennen gibt, dass die Saison für den 26-Jährigen gelaufen ist. 

Bleibt als Alternative Sebastian Griesbeck. Doch dessen Qualitäten auf dem Feld sind eher zerstörerischer Natur. Was natürlich hilfreich sein kann, aber eher weniger im kreativen Spielgestalten mündet. Und das wird gegen Leipzig benötigt, um mit einem Dreier ohne Schützenhilfe endgültig in Europa anzukommen.