So jubelten die Eisernen im Hinspiel gegen Köln. Ein Sieg dort am Sonnabend und der Klassenerhalt würde ein erhebliches Stück näherrücken.  Foto: Imago Images/Bernd König

Es ist schon lang und breit darüber gesprochen worden. Wie kaum ein zweites Team leiden die Kicker des 1.FC Union unter der Abwesenheit ihres Publikums. Die Fähigkeit, enge Spiele zu ziehen oder umzubiegen, zeichnete die Köpenicker seit jeher aus im Schulterschluss mit ihren Fans. Nicht wenige sind davon überzeugt, dass die Eisernen schon einige Zähler mehr auf ihrem Konto hätten, wenn sie gegen Mainz und Schalke nicht auf ihren 12. Mann hätten verzichten müssen. Zähler, mit denen sie im Abstiegskampf schon fast durch gewesen wären.

Doch mittlerweile scheint sich das Team von Urs Fischer besser an die besonderen Umstände gewöhnt zu haben. Der Auftritt gegen die Knappen deutete dies mehr als an. Und vielleicht könnte aus dem sonstigen Nachteil an diesem Wochenende in Köln, das ohne Simon Terodde auskommen muss (Knieprobleme), sogar ein Vorteil werden ...

Denn fast immer, wenn die Eisernen in die Domstadt reisten, wurden sie von der imposanten, infernalischen Kulisse dort doch irgendwie eingeschüchtert. Da muss man nicht mal bei der berühmten "engen Kiste" anfangen, als 2002 ein 7:0 bei den Geißböcken das Ende von Kulttrainer Georgi Wassilew einläutete. Im November 2013 wähnten sich die Köpenicker als punktgleicher Tabellenzweiter so ziemlich auf Augenhöhe mit den auf Rang eins liegenden Geißböcken. Und doch erscholl zum Leidwesen der Eisernen vier Mal in Müngersdorf das "Kölle Alaaf" ("Denn wenn et Trömmelche jeht"). Auch der Ausflug der Vorsaison zu den gerade einmal ein Zählerchen besser dastehenden Rheinländern endete höchst ernüchternd. Das 0:2 drückte die tatsächliche Unterlegenheit gar nicht genug aus. 

Für Union spricht nun auch - neben dem langsam greifenden Gewöhnungseffekt - die Erfahrung, dass in der Aufstiegssaison mit einem 1:1 endlich einmal Widerstand geleistet werden konnte. Zudem die Tatsache, dass die Hausherren auch so ihre Probleme haben mit den leeren Rängen seit dem Re-Start. Gegen Mainz (2:2) und Düsseldorf (2:2) - also zwei direkte Konkurrenten im Tabellenkeller - kamen sie nicht über ein Remis hinaus. Gegen Leipzig setzte es eine 2:4-Pleite.  Das Team von Markus Gisdol hat also derzeit keinen Heimvorteil. Das sollten sich die Eisernen vor Augen halten. Und ausnutzen.