Für Andreas Luthe bleibt nach der Verpflichtung von Loris Karius nur die Bank. Foto: Matthias Koch

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist im Leben so, im Sport und, klare Sache, auch im Fußball. Einerseits ist das vernünftig, sonst gäbe es keinerlei Entwicklung. Die andere Seite ist, dass jemandem vor den Kopf gestoßen wird. Das ist vor allem dann so, wenn es für mehrere Spieler nur eine Position gibt, die ganz bestimmte, die spezielle, die, für die man ein andersfarbiges Trikot braucht, ein Paar Handschuhe und das Sendungsbewusstsein eines Einzelkämpfers inmitten eines wie auch immer verschworenen Haufens haben sollte.

In diesem Fall ist es schon immer so: Es kann nur einen geben. Das trifft natürlich auch auf die Jungs zu, die in ihrem Tor am meisten darauf zu achten haben, dass im Idealfall in 90 Minuten plus Nachspielzeit kein Ball im eigenen Kasten landet. Damit bin ich beim vielleicht größten Dilemma, das mit der Verpflichtung von Loris Karius auf Urs Fischer beim 1. FC Union zukommt. Wenn der Trainer nämlich Andreas Luthe, seiner bisherigen Nummer 1, beibiegen soll: Es war leider ein Missverständnis, es gibt jetzt einen anderen. Jedenfalls bedarf es dazu eines einfühlsamen und mit Argumenten gut ausgestatteten Moderators.

Schön ist das nicht und es gibt nettere Aufgaben für einen Trainer. Dass sich die Eisernen mit Karius und dem Deal mit dem FC Liverpool auf ein Parkett gewagt haben, auf das sie vor kurzer Zeit neidisch geblickt haben und auf dem sie womöglich ausgerutscht wären, ist erstaunlich und zeigt die rasche Entwicklung, die es rund um die Alte Försterei gibt. Es ist keineswegs verwerflich, als Schlosserjunge, der möchte man schon noch gern sein, groß zu denken. Trotzdem habe ich bei der ganzen Sache ein leicht zwiespältiges Gefühl.

Das betrifft vor allem den Umgang mit Luthe. Als der 1,95-m-Kerl gerade verpflichtet war, haben sie ihn in höchsten Tönen gelobt. Von einem „souveränen Schlussmann“ war die Rede, der die Liga gut kenne, von „positiver Ausstrahlung“, von „Präsenz“ und davon, dass all das helfen werde, „unsere Ziele auch im zweiten Bundesliga-Jahr zu erreichen“. Was ist von den Vorschusslorbeeren nach 120 Minuten im Pokal und 180 Minuten in der Liga übrig?

Erhöhter Glamourfaktor

Bei Karius sind die Schlagworte „große nationale und internationale Erfahrung“ sowie „auf dieser wichtigen Position nun aus unserer Sicht bestens aufgestellt zu sein“. Auch wird die neue Nummer 20 – die Nummer 1 ist kurz zuvor ja neu vergeben worden – als „Verstärkung von der Insel“ gepriesen. Verstärkung, mag sein, nur muss sich das erst noch herausstellen.

Klar ist, dass sich mit Karius – oder ist es Freundin Sophia Thomalla – der Glamourfaktor in Köpenick in Sphären hebt, die generell mit dem Milliardengeschäft Fußball assoziiert werden. Mir geht es um die sportliche Note: Hat Victoria Beckham ihren David dazu gebracht, dass er mehr Tore schießt und mehr Flanken schlägt als zuvor? Ist Gerard Pique nur deshalb 2010 mit Spanien Weltmeister geworden, weil er in Südafrika Shakira näher kennengelernt hat? Oder hat Sylvie Meis ihren Rafael van der Vaart damals dazu gebracht, mit den Niederlanden Vizeweltmeister zu werden, weil sie mit ihm verheiratet war?

Familie ist wichtig, keine Frage. Vertrauen, das vom Trainer, ist es nicht minder. Da mag zwischen den Eisernen und Andreas Luthe etwas schiefgelaufen sein. Als was soll er sich nun fühlen, als Lückenbüßer, als Notnagel oder, um seine Situation aufzupolieren, als Nummer-1b-Torhüter? Um den Konkurrenzkampf aus einer etwas anderen Sicht anzukurbeln: Ich wünsche Andreas Luthe, sollte er doch eingesetzt werden und auch weil ich seinen Vornamen mag, nur noch Zu-Null-Spiele.