Athletik-Trainer Martin Krüger, beim 1. FC Union der Mann hinter den Profis, sieht die WM-Pause als Chance für den 1. FC Union.
Athletik-Trainer Martin Krüger, beim 1. FC Union der Mann hinter den Profis, sieht die WM-Pause als Chance für den 1. FC Union. Imago/Matthias Koch

Urs Fischer sieht es mit ehrlichem Bedauern. Der 1. FC  Union hat zwar eine Reihe von Nationalspielern. Aber kaum einer wird das Turnier in Katar (ab 20. November) erleben. „Bei einer WM sein Land vertreten zu können, das ist das Höchste“, wird der Schweizer Fußballehrer nie müde zu betonen.

Doch mittlerweile ist die Zahl der potenziellen Kandidaten gegen null geschrumpft, selbst wenn ein bis zwei Kicker der Eisernen noch für ein paar Tage auf Abruf stehen und sich Hoffnungen machen dürfen.

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Christopher Trimmel und seine Österreicher verspielten erst in der Gruppenphase und dann in den Nations-League-Play-offs gegen Wales (1:2) das Ticket für Katar. Andras Schäfers Ungarn landeten in der Gruppenphase hinter England, Polen und Albanien (!) nur auf Platz vier. Die Norweger um Morten Thorsby und Julian Ryerson mussten in ihrer Gruppe der Türkei und den Niederlanden den Vortritt lassen. 

Nur bei Rönnows WM-Teilnahme muss der 1. FC Union noch abwarten

Offen ist noch die Frage, ob Torwart Frederik Rönnow rechtzeitig genesen ist, um nach seinen Oberschenkelproblemen mit den Dänen auf die arabische Halbinsel reisen zu dürfen.

Die Söhne Nippons sind zwar dabei, doch Japan strich Genki Haraguchi aus dem endgültigen Aufgebot. Gar nicht erst rein schaffte es Jordan Siebatcheu bei den US-Boys. Mangelnde Spielpraxis bei den Eisernen führte zur Streichung von Tymoteusz Puchacz bei den Polen. Und Bundestrainer Hansi Flick wird schon sehen, was er davon hat, dass er Rani Khedira und Robin Knoche nicht mitnimmt.

Kleiner Scherz. Doch wie immer hat alles auch seine zwei Seiten. Martin Krüger, Athletik-Trainer der Eisernen, ist gar nicht groß böse über die Nichtberücksichtigung seiner Jungs. Erst mal rein praktisch gesehen, so kann er mit allen zusammen beim gleichen Stand anfangen.

Und die Konkurrenz? Gut, lassen wir den FC Bayern mal als konkurrenzlos außen vor. Die haben 15 Profis im Wüstenstaat dabei, obwohl sich um die Berufung des angeschlagenen Senegal-Superstars Sadio Mané noch gerangelt werden dürfte. Elf Dortmunder müssen durchackern. Leipzig hat sieben Nominierungen, Frankfurt stellt sechs Spieler ab.

Wie überspielt kommen die Bundesligaprofis aus Katar zurück?

Selbst der SC Freiburg, wahrscheinlich bis zum Saisonschluss ein Gegner der Eisernen, wenn es erneut um die Qualifikation für das internationale Geschäft geht, hat drei Akteure, die an den Persischen Golf fliegen. 

Wie überspielt kommen die alle zurück? Und: Bleiben sie unverletzt?

Fragen, mit denen sich die Köpenicker nicht beschäftigen müssen. Union hat eine ausgeruhte Truppe, wenn es in die zweite Saisonhälfte geht. „Das kann“, so Athletik-Trainer Krüger, „eine Chance sein. Weil du dich komplett regenerieren kannst. Du kommst nicht mit einem Erschöpfungszustand zurück. Wir starten die Saison praktisch von vorne.“

Krüger glaubt kaum an Substanzverlust bei den Profis des 1. FC Union

Damit die Jungs auch geistig frisch sind, werden sie jetzt nach all diesen Wochen sofort in den Urlaub geschickt, gehen nicht beispielsweise wie der Stadtrivale erst einmal ein bisschen auf Tingeltour. Drei Wochen abschalten zu können, hat man normalerweise im Winter ja nicht. „Das ist wie ein neuer Sommerurlaub für die Profis. Die fahren erst einmal komplett runter. Du kannst neu aufbauen. Spielerische Prinzipien neu einstudieren“, so Krüger.

Wird die Union-Profis ab Dezember schnellstmöglich wieder auf ein hohes Niveau-Level bringen: Martin Krüger.
Wird die Union-Profis ab Dezember schnellstmöglich wieder auf ein hohes Niveau-Level bringen: Martin Krüger. Imago/Matthias Koch

Auf 15 bis 20 Prozent schätzt Krüger den Substanzverlust. Aber vom 5. Dezember an, wenn die Profis wieder auf die Trainingsplätze zurückkehren, bis zum 21. Januar, wenn Hoffenheim kommt, sind rund sieben Wochen Zeit. Da wird man alle wieder auf dem gewünschten Fitnesslevel haben, das die Eisernen durch die erste Saisonhälfte getragen hat.

„Ich bin gar nicht so böse, dass wir kaum WM-Starter haben. Für uns ist das ein Riesenvorteil“, so Krüger und ergänzte: „Wir leben von unserer Körperlichkeit, wir leben von unseren Abläufen. Die können wir jetzt wieder neu trainieren.“

Klingt so, als ob die Konkurrenz sich 2023 warm anziehen kann.

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