Einmal tief durchatmen! Unions Co-Trainer Sebastian Bönig als Sinnbild der letzten Union-Kicks. Alles nicht richtig schlecht, aber alles nicht mehr so gut.  Foto: Matthias Koch

Nein, diese Einschätzung wollte Unions Trainer Urs Fischer nicht teilen. Seine Eisernen würden nicht auf dem Zahnfleisch kriechen. Es mag sein, dass er dieses Urteil ablehnt, weil unterschwellig mitschweben könnte, dass sein Team nicht mehr ganz fit ist. Es ist dennoch auffällig, dass den Köpenickern die Leichtigkeit des Seins - oder muss man sportartbedingt sagen: die Leichtigkeit des Beins? - abhandengekommen ist. 

Warum eigentlich? Die Eisernen stehen doch glänzend da. Rang sieben. Drittbeste Abwehr mit nur 26 Gegentreffern. Der Vorsprung auf Rang 16 beträgt 16 Zähler. 1,6 Punkte im Schnitt pro Partie noch zu verspielen, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Warum also tun sich Christopher Trimmel, Marvin Friedrich & Co. derzeit so schwer? Warum machen sie nicht einfach unbelastet ihr Ding? 

Es müsste doch eher beflügeln, dass nach erreichtem Ziel Klassenerhalt noch mehr drin ist. Nun gut, Platz sechs und fünf mit Dortmund (vier Punkte mehr) und Leverkusen (fünf Zähler Vorsprung) sind angesichts der Qualität dieser Truppen schwer erreichbar. Aber selbst Rang sieben – also da, wo Union gerade steht – könnte ja am Ende der Spielzeit ausreichen. 

Trefferschnitt sank auf 0,51 Tore pro Spiel

Doch es ist nichts Ehrenrühriges, wenn man feststellt, dass die Eisernen derzeit alles andere als locker und beschwingt daherkommen. In der Rückrunde wurden nur noch sieben Zähler auf die 28 der Hinrunde draufgepackt. Seit Jahresbeginn gab es nur noch 13 von 33 möglichen Zählern. Der Trefferschnitt sank von 1,88 Toren pro Spiel in der Hinrunde auf dürftige 0,51 pro Partie. Null Tore gegen Schalke, null Tore gegen Mainz und nun null Tore gegen Bielefeld, also gegen die letzten drei der Tabelle! Kann Fischer nicht schmecken, auch wenn der abwiegelt: „Wir kommen zu Möglichkeiten. Für mich ist es wichtig, dass wir es versuchen, das genießt Priorität.“

Und auch mit der gern kolportierten Heimstärke ist es so ein Ding. Es stimmt zwar, dass die Festung Alte Försterei seit dem ersten Spieltag gegen Augsburg nicht mehr geschliffen wurde. Aber – um im Bild zu bleiben – ein belagerungsbrechender Ausfall bzw. ein Entsatzen der Feste fand auch nicht wirklich statt. Vier Siegen stehen elf Remis gegenüber! Heimstärke? Nun ja ...

Und nun? Was machen wir denn jetzt? Trainer Urs Fischer im Gespräch mit Christopher Trimmel. Foto: Imago/Matthias Koch

Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Zum einen kommen die Köpenicker mittlerweile oft als Favorit einher. Sie treffen auf Mannschaften, die sich hinten einigeln. Und bei all der deutlich verbesserten Spielkultur ist die Truppe von Urs Fischer eben kein Topteam wie der FC Bayern oder Leipzig, die tief stehende Widersacher trotzdem wegfideln können.

Verletzungspech als der rote Faden

Natürlich fehlt den Köpenickern derzeit auch das Geschwindigkeitsmoment eines Sheraldo Becker. Dazu kommt die Abwesenheit von Taiwo Awoniyi als Arbeitstier. „Mit Taiwos Ausfall ist uns sicherlich Wucht und Dynamik verloren gegangen“, gibt auch Urs Fischer unumwunden zu. 

Man kann zudem nicht erwarten, dass lange verletzte Kicker wie Joel Pohjanpalo oder Max Kruse sofort zu Höchstform auflaufen. Was sich im Übrigen wie ein roter Faden durch die ganze Spielzeit zieht. Also das Verletzungspech! Kruse steigt spät ein, Anthony Ujah konnte gar nicht helfen. Christian Gentner, neben Kruse der Akteur mit dem meisten Spielverständnis, fehlte über Wochen. Dazu kamen unnötige Sperren durch Rote Karten (Robert Andrich, Nico Schlotterbeck). Also immer wieder Umstellungen. Das konnte eine Zeit lang kompensiert werden. Aber eben nicht auf Dauer. Manch einer ist vielleicht auch etwas überspielt und kann derzeit nicht groß mit den eigentlich benötigten Verschnaufpausen bedacht werden.

Alles Gründe, alles kein Beinbruch. Stillstand auf hohem Niveau. Und doch würde es den Anhang der Eisernen ungemein erfreuen, wenn der finale Part der Saison eben auch spielerisch ein bisschen mehr Lustgewinn ermöglichte. Ob das für Europa dann reicht, ist dabei unerheblich. 

Das ist die European Conference League

Bislang durften 80 Teams im Europapokal starten. 32 davon in der Champions League und 48 in der Europa League. Ab der Spielzeit 2021/22 greift die von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin initiierte Reform. Die Königsklasse bleibt bei 32 Mannschaften, die Europa League (EL) wird auf 32 Teilnehmer reduziert. Dafür gibt es den dritten Europa-Cup, eben die Europa Conference League (ECL) mit ebenfalls 32 Teilnehmern. Das heißt, 96 Teams gehen insgesamt international an den Start. Ceferin sichert sich so die Stimmen der kleineren Nationen, die in der ECL internationale Luft nicht nur schnuppern können, sondern womöglich Siege feiern. Wichtig dabei: Länder, die in der Ufea-5-Jahreswertung nicht unter den ersten 15 sind, verlieren das Startrecht in der EL, so sie nicht aus der Champions League absteigen im Laufe des Wettbewerbes. Stand heute wären beispielsweise Teams aus Serbien und der Schweiz, Kroatien und Schweden nur noch in der ECL vertreten. Aus Deutschland kann der Bundesliga-Sechste auf einen Startplatz in der ECL hoffen. Dazu müssten aber die letzte Qualifizierungshürde, die sogenannten Playoffs, genommen werden. Sollte sich der DFB-Pokalsieger bereits für das internationale Geschäft qualifiziert haben, geht der Playoff-Platz an den Ligasiebten.