Christian Gentner bejubelt beim Abpfiff gegen Paderborn den Klassenerhalt. Nun würde er gerne noch ein weiters Jahr Fußball spielen. Foto: Imago Images/König

Ja, doch, es ist immer noch nicht vorbei, es wird ja noch gespielt. Beispielweise am Sonnabend um 15.30 Uhr in Hoffenheim, wo der 1.FC Union zum Klettern in der Tabelle ansetzen möchte. Und doch ist nach dem Klassenerhalt auch die Zeit, sich intensiv nun anderen Themen zu widmen. Der Kaderplanung zum Beispiel.

Zehn Verträge laufen bei den Eisernen am Ende der Spielzeit aus.  Die Personalien Rafal Gikiewicz und Sebastian Polter sind geklärt, die Leihgaben Yunus Malli (Wolfsburg) und Keven Schlotterbeck (Freiburg) gehen zu ihren Klubs zurück, auch wenn sich beim Innenverteidiger schon eine sehr liebenswerte, aber recht aussichtslose Online-Petition  BringSchlotterBack gegründet hat. Dann wären da noch Florian Hübner, Felix Kroos, Ken Reichel, Michael Parensen sowie Manuel Schmiedebach. Und natürlich Christian Gentner!

Seit Wochen ist der ehemalige Stuttgarter in bestechender Form und als Dreh- und Angelpunkt aus der eisernen Schaltzentrale nicht wegzudenken. In Köpenick ist man des Lobes voll über den Spieler, der von den derzeit noch aktiven Kickern die meisten Spiele in der Liga nach Claudio Pizarro absolviert hat. Und das, ohne irgendeine Sonderrolle im Team von Urs Fischer für sich zu beanspruchen oder den Star herauszukehren. Klagen darüber, dass die eiserne Spielweise mit vielen hohen Bälle auf Sebastian Anderson auch nicht zwingend der Spielkultur des 34-Jährigen entsprechen, sind auch nicht zu vernehmen. Präsident Dirk Zingler schätzt diese Eigenschaften ungemein: "Er nimmt das an, will nicht mehr sein, als das, was er im Klub vorfindet. Das ist eine ganz wichtige Eigenschaft und deshalb hat er uns ganz enorm geholfen." Stelle sich langsam die Frage: Wann verlängert Oliver Ruhnert mit dem Schwaben? 

Ich möchte gern noch spielen.

Christian Gentner

Gentner selbst bleibt gelassen. Zumal er weiß, dass der VfB immer ein Türchen für ihn offen hat nach seiner Karriere als Spieler. "Den Schritt nach Berlin, weg von Kind und Kegel hat er nicht eine Sekunde bereut. "Der Wechsel war keine Bauchentscheidung, die Entscheidung habe ich nicht von heute auf morgen getroffen. Ich hatte tolle Gespräche mit Ruhnert und Fischer, die mich dann überzeugt hatten, wie es Union schaffen möchte, in der Liga zu bleiben. Da habe ich mich gesehen, gefunden, dass es funktionieren könnte", sagte er zweifache Deutsche Meister und ergänzte: "Dass es dann so gelaufen ist, weißt du zu 100 Prozent nie im Vorfeld. Ich bin sehr froh, dass die Jungs es mir auch so einfach gemacht haben, mich schnell zu integrieren, ich meine Rolle auf dem Platz und in der Kabine gefunden habe. Es macht unheimlich Spaß."

Ruhnert lobt Gentner

Noch ist die Zukunft offen. Und könnte eisern bleiben. "Ich möchte gerne noch weiter Fußball spielen. Der Körper gibt es noch her. In den kommenden Tagen wird entschieden, in welche Richtung es geht. Wir haben noch keine finalen Gespräche geführt. Aber wir haben auch gesagt, dass wir uns jetzt auf den Klassenerhalt fokussieren. Der ist jetzt fix. Jetzt haben wir ein paar Tage Zeit", signalisierte Gentner hauchzart, dass  man sich jetzt schon mit dem Thema beschäftigen könnte.

Seine Verpflichtung im Sommer gehörte also mit zu den Volltreffern von Ruhnert  beim Kaderumbau. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass er anfangs mit Skepsis beäugt worden ist und jeder gefragt hat, was wollen wir mit einem so alten Spieler, der zudem gerade abgestiegen ist. Wir waren aber davon überzeugt, dass das passt. Hut ab vor diesem Spieler. Er gehört mit zu den Akteuren, die Anteil am Saisonverlauf hatten", singt Ruhnert das Hohelied des Mittelfeldspielers, der in dieser Saison in 30 Spielen zwei Tore für die Eisernen erzielt hat. Darunter das besonders wichtige beim 2:1-in Köln. 

Bei so viel gegenseitiger Wertschätzung sollten doch weitere 12 Monate schnell geklärt sein ...