Vom Aufstiegsheld zum großen Fragezeichen: Wann gelingt Grischa Prömel der nächste Entwicklungsschritt? imago-images/Bernd König

Als nach dem vergangenen Spieltag die Frage aufkam, wer bei den Eisernen den verletzten Christian Gentner ersetzen könnte, wurde Grischa Prömel kaum genannt. Manch einer rechnete damit, dass Urs Fischer auch in den kommenden Spielen auf eine Dreier-Zentrale setzen könnte und Grischa deshalb gesetzt sei. Andere trauten dem 25-Jährigen erst gar nicht zu, die schwere Führungsaufgabe des Routiniers übernehmen zu können.

Wie bitter! Denn eigentlich war Prömel auf dem Weg zum Mittelfeldstar der Eisernen, galt in der Aufstiegssaison als Schlüsselspieler im Team von Urs Fischer. Was ist seitdem passiert? Nicht viel, könnte man sagen. Der Stuttgarter stagniert, was zuallererst mit seinen langwierigen Patellasehnen-Problemen zu erklären ist. Beinahe die komplette Hinrunde fiel der Mittelfeldmotor in der vergangenen Saison aus, kämpfte sich mühsam ins Team zurück und profitierte am Ende sogar ein wenig von der Corona-Pause, die es ihm erlaubte, in Ruhe zu genesen und am Saisonende sogar noch ein paar Spiele über die vollen 90 Minuten zu absolvieren. Im Pokal gegen Karlsruhe und zum Liga-Auftakt gegen Augsburg stand er auf dem Feld. Alles okay also, oder?

Nicht wirklich, wenn man bedenkt, welch phänomenales Potenzial Prömel im Aufstiegsjahr angedeutet hat. Sieben Treffer gelangen ihm, phasenweise war er in der Zentrale von den gegnerischen Spielern kaum zu halten. Schon in der Winterpause fühlte der HSV vor, wollte den Olympiateilnehmer von 2016 gerne an die Elbe holen, doch Grischa blieb und schoss in der Relegation mit dem VfB Stuttgart ausgerechnet seinen Lieblingsklub in die Zweitklassigkeit.

Auch, um ihm einen erfahrenen Lehrmeister zur Seite zu stellen, verpflichteten die Eisernen nach dem Aufstieg den gebürtigen Nürtinger Christian Gentner. Die schwäbische Zentrale sollte das Herzstück der Bundesliga-Premierensaison der Köpenicker werden. Nach Prömels Verletzung feierte stattdessen Robert Andrich den Durchbruch, einen ähnlichen Weg will jetzt Neuzugang Sebastian Griesbeck gehen, der Gentner direkt ersetzen wird. Prömel gelang seit dem Aufstieg indes lediglich eine einzige Torvorlage. Treffer erzielte er keine mehr.

Dabei wäre er auf dem Papier eigentlich der ideale Ersatz für „le Gente“. Doch für diese Ehre muss ihm erst der nächste Entwicklungsschritt gelingen. Sonst rutscht er in der Hierarchie der eisernen Mittelfeldspieler weiter ab.