Die Aussicht, die Momentaufnahme zu verlängern, treibt Unions Trainer Urs Fischer ein Lächeln auf die Lippen.
Die Aussicht, die Momentaufnahme zu verlängern, treibt Unions Trainer Urs Fischer ein Lächeln auf die Lippen. imago images

Ach ja, die gefühlt täglichen Pressekonferenzen beim 1. FC Union. Wenn alle drei Tage ein Spiel ist, steht auch alle drei Tage eine Medienrunde an, auf der Trainer Urs Fischer neben dem ärztlichen Bulletin – um es vorwegzunehmen, keine besonderen Vorkommnisse – zur allgemeinen Lage der eisernen Nation referiert. Diesmal vor dem 10. Spieltag und dem Kick gegen die Dortmunder Borussia rutschte dem Schweizer Fußballlehrer sogar fast eine Art Entschuldigung dafür raus, dass er dabei klang wie eine Schallplatte mit Sprung.

In der Tat wäre es eine einfache Übung, aus den Sätzen und Vokabeln des 56-Jährigen ein hübsches Gaga-Bingo zu basteln. Formulierungen wie „ans Limit gehen“, „gute Ordnung“, „Umschaltmomente“, „Effizienz“ und „das ist eine Aufgabe dergleichen“ fehlen nie. „Momentaufnahme“ kommt auch immer vor, aber zumeist nach den Spielen. Aber man täte Fischer Unrecht, wenn man sich so auf seine Kosten amüsieren wollte. Denn inhaltlich hat er ja vollkommen recht.

Für die Eisernen ist jedes Spiel in der Bundesliga echte Kärrnerarbeit, an der sie dann scheitern oder nicht das Maximalmögliche erreichen, wenn sie halt nicht an ihre Grenzen oder darüber hinaus gehen. Der Kick gegen Borussia Dortmund an diesem Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) wird unter den gleichen Vorzeichen stehen.

Fischer glaubt, dass der 1. FC Union sich selber Druck macht

Fischer wollte auch nicht gelten lassen, dass die Köpenicker nach dem 1:0 gegen Malmö und der Aussicht auf Überwintern in Europa eigentlich befreit aufspielen können, weil ihnen der Verlust der Tabellenführung eher nicht droht. Dazu bedürfte es schon eines Freiburger Sieges am späten Sonntagabend in München (19.30 Uhr/DAZN) und einer gleichzeitgien Niederlage der Eisernen gegen den BVB, um den Platz an der Sonne abgeben zu müssen.

Fischer denkt so nicht. Denn, erstens, was schert ihn Platz eins am neunten oder zehnten Spieltag. Alles nur – Sie ahnen es – eine Momentaufnahme. Die Punkte allein zählen. Und zweitens würde seine Truppe immer von alleine an sich höchste Ansprüche stellen. „Wir machen uns den Druck schon selber. Wir wollen immer erfolgreich sein. Toll, was wir am Donnerstag erreicht haben, aber Donnerstag ist vorbei. Wir sagen ja immer, dass wir uns nur aufs nächste Spiel fokussieren, und das ist Dortmund“, erklärte der Chefcoach des 1. FC Union.

BVB auswärts erstmals seit 2012 bei einem anderen Spitzenreiter als Bayern

Nun gut, mag stimmen. Also das mit dem Druck. Das mit Dortmund auf jeden Fall. Doch der Rest der Republik betrachtet die Spiele eines Tabellenführers – für den BVB ist es übrigens zum ersten Mal seit 2012 der Fall, dass der Gastgeber der Partie in diesem Fall nicht FC Bayern heißt – unter anderen Gesichtspunkten.

Nämlich, dass die Eisernen im Optimalfall nicht nur die Borussia aus Dortmund am Ende des Spieltages auf sieben Punkte distanziert haben könnten, sondern dass der Vorsprung auf Rang zwei auf vier Zähler anwachsen könnte. Womit klar wäre, dass die Eisernen auch nach dem elften Spieltag von Platz eins grüßen würden. Wäre dann zum sechsten Mal in Folge ...

Lesen Sie hier mehr über den 1. FC Union >>