Urs Fischer bekräftigte, dass er auch kommende Saison den 1. FC Union trainieren wird. Foto: dpa/Andreas Gora

Da war wieder diese Frage, die Urs Fischer so überhaupt nicht leiden mag. Es ging um die Schweizer Auswahl – im Landesjargon Nati genannt – und seine Ambitionen auf den Job. Es ist ja gar nicht so lange her, da hatte ein Boulevardblatt bei den Eidgenossen eine Umfrage lanciert, wer denn der Nachfolger von Valdimir Petkovic bei der Nati werden solle. Dabei war der noch  in Amt und Würden und eine Demission nicht in Sicht. Fischer bezeichnete solche Vorgehensweisen stets als „respektlos“.  

Wenigstens klopfte 20min.ch im Interview mit Unions Trainer diesmal nur dessen grundsätzliche Ambitionen für den höchsten Trainer-Sessel bei den Eidgenossen ab. Fischer schob dem einen Riegel vor, denn er sieht sich als Fußballlehrer, nicht als Kurzzeit-Projekt-Manager. „Im Moment gefällt mir die tägliche Arbeit. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, eine Mannschaft nur alle zwei bis drei Monate für einige Tage zu sehen“, sagte der 55-Jährige deutlich. 

Fischer müsste nur bei den Bayern überlegen

Das hindert manche Gazetten natürlich nicht, Fischer alle naselang an anderen Stellen in Fußball-Deutschland zu verorten und damit Ängste bei den Union-Fans zu schüren. All diesen Spekulation erteilte Fischer jetzt eine gründlich Absage. Seine Zukunft sehe er bei Union. „Wo denn sonst? Ich fühl mich wohl hier in Berlin und sehe mich auch nächste Saison hier“, so Fischer.

Einzig wenn der Branchenprimus der Bundesliga angeklopft hätte, hätte er sich zumindest Bedenkzeit erbeten. Wahrscheinlich wäre er aber zum Schluss gekommen, dass er nach dem notorisch aufgeregten FCB der Schweiz (Basel) beim notorisch aufgeregten FCB Deutschlands (Bayern München) nicht das hätte machen können, was er will – nämlich in Ruhe arbeiten. 

Auch ins Paradies kann die Schlange kommen

Fischer weiß, dass er in Köpenick ein Paradies gefunden hat. Aber er ist nicht blauäugig. Auch in den Garten Eden hat die Schlange einst Eingang gefunden. „Ich denke nicht daran, was in drei Jahren ist. Ich lebe in der Gegenwart. Ich weiß nicht, wie es vielleicht in fünf Monaten aussieht. Es kann ja auch sein, dass der Verein plötzlich mit mir nicht mehr zufrieden ist“, ließ er erkennen, dass er die Mechanismen der Branche kennt. 

Doch zum Glück ticken die Uhren in Köpenick etwas langsamer. Da wird – auch in Krisenzeiten – noch viel Wasser die Wuhle runterfließen, ehe die Liaison zwischen Fischer und Union vor dem Aus steht.