Sheraldo Becker saß hinter Unions Busfahrer Michael Ruprecht, dem Vater des Ex-Union-Verteidigers Steven, im Stadion in Frankfurt und drückte den Kollegen die Daumen. Foto: Matthias Koch

Sheraldo Becker war beim 2:5 in Frankfurt dabei. Zwar nicht mittenmang, aber auf der Tribüne. Der Niederländer mit surinamischen Wurzeln will nach überstandener Sprunggelenks-OP am Main demnächst seine Reha absolvieren. Was lag näher, als den Kollegen auf der Tribüne die Daumen zu drücken. 

Trainer Urs Fischer erfreute die Anwesenheit des auf dem Platz so sehr vermissten Flügelflitzers. „Das Ganze war natürlich abgesprochen, geplant. Es  ist ja logisch, du kommst ja nicht einfach so ins Stadion rein. Da gibt es eine Menge Vorschriften, die es einzuhalten gilt“, so Fischer.

Lenz machte schon Ersatztraining

Gerade in Corona-Zeiten ist der Zugang zu Spielen ja extrem limitiert. Da kann man nicht einfach kurzfristig so am Spieltag aufkreuzen und mit dem Verweis, man gehöre zur Mannschaft, Einlass begehren. Da gilt es, alles zu organisieren. Aber es ist die Geste, die hier wirklich zählt! „Ich finde es wichtig, dass angeschlagene Spieler den Kontakt zu ihren Kollegen nicht verlieren“, meinte der Schweizer. 

Während Becker weiter noch eine Weile fehlen wird, gibt es Hoffnungssignale bei anderen Rekonvaleszenten. Fischer: „Es ist erfreulich, dass Lenz auf einem guten Weg ist. Er wird diese Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Schon am Sonntag konnte er große Teile des Spielersatztrainings mitmachen. Ich bin da sehr zuversichtlich, weil er auch noch einen Test gemacht hat.“

Am Donnerstag beim Test gegen Zweiligist Braunschweig (15 Uhr, Alte Försterei) soll der nächste Schritt folgen. Fischer: „Die eine oder andere Minute sollte er bekommen.“ Der Coach verriet außerdem: „Auch Niko Gießelmann macht Fortschritte. Gerade was die Position des Linksverteidigers angeht, waren wir zuletzt ja nicht so gut besetzt. “

Macht Ryerson künftig den Lahm?

Damit steigen die Chancen, dass Lenz (26) im Derby gegen Hertha BSC am Ostersonntag dabei sein könnte. Da will Union ja nicht nur die Hinspiel-Scharte (1:3) wettmachen und sich die Stadtmeisterschaft zurückholen, sondern vor allem über die 40-Punkte-Marke kommen. 

Diese Freude über die Aussicht einer Lenz-Rückkehr war übrigens ausdrücklich keine Kritik an Julian Ryerson, der zuletzt die ungewohnte Rolle des linken Verteidigers zunehmend besser ausgefüllt hat.

Es wäre übrigens nicht das erste Mal in der Bundesligageschichte, dass seitenverkehrt ein Stern aufgeht. Man denke mal an Philipp Lahm. Der – obwohl Rechtsfuß – fand zunächst auch nur auf der linken Seite Unterschlupf beim Rekordmeister und in der Nationalelf. Ryerson hat da also ein großes Vorbild. Los, Julian, mach uns den Philipp.