Ex-Union-Star Robert Andrich jubelt über einen Treffer für Leverkusen. imago/Ulrich Hufnagel

Es war im Sommer, als Union ein kleiner Geldsegen traf. Geschätzte 6,5 Millionen Euro wanderten vom Rheinland in die Hauptstadt, weil Bayer Leverkusen unbedingt Robert Andrich aus Köpenick loseisen wollte. An diesem Sonnabend gibt es ein Wiedersehen (15.30 Uhr) mit dem einstigen „Mr. Eklig“ der Eisernen, der unter dem Bayer-Kreuz mächtig durchstartete, wenn der Liga-Siebte zum Rückrundenauftakt beim aktuellen Tabellenvierten antritt. 

Manch einer fragte sich, was der Champions-League-Teilnehmer mit Andrich wollte. Die Antwort lieferte der 27-Jährige auf dem Platz. Ohne seine dreiwöchige Rotsperre nach einem 1:3 in Stuttgart Mitte September wären mit Sicherheit mehr als die zwölf Bundesligaeinsätze für die Werkself notiert worden. Inklusive Europa League konnte sich der gebürtige Potsdamer auch schon fünfmal in der Torschützenliste verewigen. Nicht übel. 

Eine Entwicklung, die Unions Trainer Urs Fischer dem 1,87 m großen Mittefeldabräumer, der zudem ein gutes Gespür für Offensivaktionen besitzt, absolut zugetraut hatte, als er im August die Seiten wechselte. „Überrascht hat es mich wirklich nicht. Er hat es ja auch bei uns gelernt“, scherzte der Schweizer Fußballlehrer in eisernen Diensten.

Andrich setzt Duftmarke

Etwas weniger humorvoll war dann Fischers wirkliche Analyse. „Er hat eine tolle Entwicklung gemacht. Für die er selbst verantwortlich ist. Natürlich konnten wir ihm zur Seite stehen und haben ihm dabei geholfen, den nächsten Schritt zu machen. Er hat seine Spuren hinterlassen, seine Duftmarke gesetzt“, meinte der 55-Jährige.

Zwei Herzen schlagen da in Fischers Brust, wenn er an Andrich denkt. „Bei so etwas ist immer ein weinendes und ein lachendes Auge mit dabei. Du verlierst einen guten Spieler und bist natürlich auch enttäuscht. Aber es hat mich gefreut für ihn“, so der Coach und ein kleines bisschen klingt dabei durch, dass er einen gewissen Stolz dabei empfindet, zu Andrichs Entwicklung beigetragen zu haben. Also im wahrsten Sinne des Wortes, seiner Berufung als Fußballlehrer gerecht worden zu sein, einen Spieler besser gemacht zu haben.

Fischer glaubt weiter an Andrich

Ein bisschen ist das ja auch ein Zeichen für die gewachsene Qualität der Fischer-Elf, für Unions Entwicklung insgesamt, dass Spieler der Köpenicker mittlerweile bei der Konkurrenz hohes Ansehen genießen und bei deren Scouts nicht nur in den Notizbüchern landen. Vor ein paar Jahren fast noch undenkbar. Heute Normalität.

Und der Weg von Andrich, der in Leverkusen in diesen Tagen auch verbal seiner Rolle als „aggressive Leader“ gerecht wurde und mehr Galligkeit von den Kollegen einforderte, muss ja noch lange nicht zu Ende sein. Fischer traut seinem ehemaligen Schützling noch höhere Weihen zu. Bis hin zur Nationalelf. „Da müsste man eigentlich den Bundestrainer fragen“, wich er zunächst aus bei der Frage, was für Andrich noch geht.

Doch dann ließ sein Urteil aufhorchen. „Wenn er weiterhin bereit ist, an sich zu arbeiten, sich nicht ausruht, dann glaube ich schon, dass er die Qualität dafür hat“, so das Urteil des Fußball-Fachmannes. Wagt es einer, da zu widersprechen?

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