Möchte am Freitag auch im Olympiastadion Grund zum Lachen haben: Unions Trainer Urs Fischer. Foto: imago images/Team 2

Nein, Urs Fischer ist ein alter Fuchs. Der lässt sich nicht so leicht locken. Egal, wie man es versucht. So bleibt er auch vor der neuerlichen Auflage der Stadtmeisterschaft – nur zur Erinnerung, die amtierende Hertha führt dabei aufgrund der Tordifferenz mit 2:1 Titeln, auch wenn beide Teams jeweils acht Zähler (7:10 Tore) in der ewigen Tabelle haben – die Ruhe  selbst. „Ich versuche, authentisch zu bleiben, keine Rolle zu spielen, die ich nicht bin. Ob ich bei meinem Verhalten auf der Bank ein bisschen aggressiver bin, kann ich nicht sagen, ich versuche, ich selber zu bleiben. Ich habe unzählige Derbys als Spieler und Trainer erlebt“, so der 54-Jährige.

Folglich wich er nonchalant auch der Frage aus, ob er womöglich bei einem Erfolg am Freitagabend bekannt geben werde, dass er seinen Vertrag bei den Köpenickern wie beim letzten Mal schon heimlich und vorzeitig verlängert habe. Der Verdacht kursierte in der Hauptstadt, weil Manager Oliver Ruhnert in einem „Kicker“-Interview die angedachte Verlängerung mit dem Schweizer Fußballlehrer in den Raum gestellt hatte. Als dies das letzte Mal so öffentlich vom Geschäftsführer Profifußball der Köpenicker postuliert worden war, wurde in Köpenick wenig später en passant verkündet, dass der Aufstieg automatisch eine Prolongation beinhaltet habe. Fischer wich also auch diesmal aus. „Wenn es was zu verkünden gibt, verkünden wir es auch“, nutzte er eine seiner Lieblingsfloskeln, die in jedem Bullshit-Bingo zu dem 54-Jährigen unabdingbar wäre. 

Fischer freut gesunde Rivalität

Auch bei der Frage, was wichtiger sei, Klassenerhalt oder Derby, ließ er sich nicht locken. Wenn ihm eine gute Fee die Hand darböte, mit der Versicherung, dass am 28. Spieltag der Klassenerhalt für die Köpenicker sicher sei, dafür aber die Stadtmeisterschaft zum zweiten Mal in Folge nach Westend wandern würde, er würde sie ausschlagen. „Nein“, so seine Antwort, es sei doch erst der 10. Spieltag. „Die nächsten drei Punkte, die möglich sind, sind am Freitag, das haben wir im Kopf. Alle anderen Möglichkeiten – was wäre wenn – Konjunktiv, interessiert uns nicht.“

So überrascht es auch nicht weiter, dass für den nicht zum Überschwang neigenden Union-Coach es „nicht die Frage“ ist, wer diesmal als Favorit ins Derby geht. Sondern ihn reizt einzig der besondere Charakter dieser innerstädtischen Auseinandersetzung. „Es geht um Rivalität. Eine gesunde Rivalität und wichtige Punkte, die uns helfen können, unserem Ziel näherzukommen“, betonte der Aufstiegs-und-Klassenerhalts-Held der Eisernen.

Eine kleine Spitze erlaubte sich der 54-Jährige aber doch: Der Lokalrivale hatte ja getreu dem alten Motto des Stadionbauerfilms („Wir machen das mit den Fähnchen“) in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einige Tausend Vereinsfahnen im ganzen Stadtgebiet verteilt. „Davon“, so Fischer, habe er angeblich „nichts mitbekommen. Ich bewege mich ja nur von der Haustür bis zum Stadion“, berichtete Fischer. Dabei habe er keine blau-weiße Fahne gesichtet.

Die Vorfreude auf das Derby lässt sich Fischer auch von den durch die Corona-Pandemie leeren Tribünen nicht nehmen. „Ich glaube, der Wert bleibt gleich, ob Zuschauer anwesend sind oder nicht. Es ist ein Derby, es sind Emotionen“, betonte der 54-Jährige, der sich natürlich Chancen ausrechnet: „Es ist ein Auswärtsspiel, ein spezielles Spiel. Es beginnt bei null. Für uns ist es eine Chance, mit einem weiteren Schritt unserem Ziel näherzukommen.“ Dass die 0:4-Packung  Ende Mai eine zusätzliche Motivation ist, sei „logisch“. Es warte aber eine „ganz schwierige Aufgabe“ auf sein Team: „Wir müssen viel mutiger sein, kompakter auftreten.“