Die Spieler des 1. FC Union bei Dehnübungen vor dem Geisterderby. Spielen sie bald häufiger im Olympiastadion? Foto: City-Press

Das eigenwillige Hygiene-Konzept des 1. FC Union ist gescheitert. Präsident Dirk Zingler wollte ein volles Haus mit über 22 000 Fans. Möglich machen sollte es ein Massentest. Da hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Riegel vorgeschoben (KURIER berichtete). Um doch mehr Zuschauer bei Heimspielen zu bekommen, muss die eiserne Gemeinde über ein Tabu nachdenken – den Umzug ins Olympiastadion.

Das Papier ist 41 Seiten lang, es ist der DFL-Leitfaden für die Klubs, um wieder Zuschauer in die Stadien zu bekommen. Darin wird betont, dass es wegen der Einhaltung des 1,5-Meter-Abstands zunächst nur um eine reduzierte Zahl an Fans gehen kann.

Es kommt noch dicker. Es geht nicht nur um die Platzkapazität der Arenen, bei dem man einen prozentualen Anteil belegen darf. Der Teufel steckt im Detail. Plätze an Zugängen zum Block dürfen gar nicht besetzt sein. Mindestabstand muss auch bei den Toiletten, den Getränke- Lebensmittelständen gewährleistet sein. Selbstverständlich muss auch bei den Einlasskontrollen Abstand bewahrt werden. Ist das bei dem schmucken, aber sehr engen Stadion, an der Alten Försterei problemlos durchsetzbar? Und wenn ja, wie viele Fans dürfen dann rein?

Das betrifft erstmal nur die Arena. Die DFL weist weiterhin daraufhin, dass die Klubs auch die An- und Abreise der Anhänger beachten müssen. Wegen des Infektionsschutzes wird eine Empfehlung für Fahrräder und PKWs gegeben. Parkplätze an der Försterei? Seit Jahren ein Problem! Der öffentliche Nahverkehr sollte am besten eine perfekte Taktung für den Zuschauerzustrom erhalten, damit es keine Massenansammlungen gibt. Auch das ist in Köpenick nur bedingt möglich.

Stadtrivale Hertha BSC wird weniger Probleme haben. Das Olympiastadion fast 74 475 Zuschauer, die Betonschüssel ist weitläufig, das Areal drum herum auch. Dazu genügend  und in der Breite üppige Einlässe an Ost- und Südtor, um einen geordneten Zugang mit Sicherheitskontrollen zu gewährleisten. Es gibt ausreichend Parkplätze und dazu nicht nur einen U-Bahnhof, sondern auch eine S-Bahnstation mit zehn(!) Gleisen.

Um wirklich viele Fans zu den Heimspielen zu bekommen, wäre das eine vernünftige Alternative in schwierigen Corona-Zeiten. Und gleichzeitig ein Tabu für viele Unioner. Doch die Eisernen haben schon mal eine Kröte geschluckt und sind beim Stadion-Umbau in den ungeliebten Jahnsportpark gezogen.