Vergebliche Liebesmüh: Schiedsrichter Tobias Stieler (Mitte) lässt sich von Grischa Prömel (l.) nicht umstimmen, zeigt den Gelben Karton. Auch der zur Unterstützung herbeieilende Christopher Lenz kann den Unparteiischen nicht milde stimmen.  Foto: imago images/Matthias Koch

Ein bisschen ist das wie Warten auf Godot. Der erscheint ja im Verlauf des berühmten Theaterstücks von Samuel Becket ja auch nicht. So oder ähnlich ergeht es Unions Trainer Urs Fischer seit Wochen in der Hinsicht auf Christian Gentner und vor allem Nico Schlotterbeck. 

„Sie sind“, so Fischer, und es klingt wie die gute alte Platte mit Sprung – ja liebe Kinder, es gab auch eine Zeit vor MP3-Downloads – „auf einem guten Weg“. Doch schon der Nachsatz verrät, dass Wolfsburg zu früh kommt. „Es wird aber noch nicht reichen“, räumte der Schweizer Fußballlehrer ein.

Gentner schien ja schon auf dem Weg zurück nach seiner Anfang November erlittenen Wadenverletzung. Beim 1:1 gegen die Bayern stand er sogar im Kader und in der Nachspielzeit noch mal kurz auf dem Platz. Doch danach zwickte die untere Beinmuskulatur wieder. Und es war wohl etwas mehr als nur ein Zwicken.

Prömel ist der neue Kartensammler

Neben diesem Duo fallen auch die Langzeitverletzten Joel Pohjanpalo, Max Kruse und Anthony Ujah aus. Zusätzlich gilt es gegen die Wölfe Grischa Prömel zu ersetzen, der beim 2:0 in Bremen seine fünfte Gelbe kassierte und sich damit anschickt, Robert Andrich dauerhaft als „Strafbankkönig“ – so diese Anleihe aus dem Eishockey erlaubt ist – abzulösen. Unions „Aggressive Leader“ kommt im bisherigen Saisonverlauf ja nur auf zwei Verwarnungen. Nur die unschöne, teils aus Übermotivation entstandene Rote im Derby trübt das Bild des einstigen Vorzeigerüpels. 

Es wird also noch immer nicht besser im Personaltableau. Was den weithin als Pragmatiker bekannten Fischer nicht groß jammern lässt: „Unser Kader ist immer noch groß genug, das geht noch im Moment.“

Teuchert hofft auf neue Chance

Um Prömel zu ersetzen, bieten sich Fischer zwei einfache Wege an. Ein positionsgetreuer und einer mit Umstellungen. Am einfachsten wäre es, Sebastian Griesbeck reinzuschmeißen. Hätte den Vorzug, dass der eiserne Chefcoach das erfolgreiche Bremen-Team nicht auseinanderdividieren müsste. 

Eine gangbare Variante wäre verbunden mit der Rückkehr zur Viererkette im klassischen 4-3-3. Cedric Teuchert könnte hier der Nutznießer sein. „Er ist auf dem richtigen Weg, lernt täglich dazu“, meinte Fischer über den 23-Jährigen, der immerhin auch schon zweimal getroffen hat. Er käme als Verbindungspieler mit dem nötigen Mut zum Abschluss hinter Taiwo Awoniyi zum Zuge, wobei es unerheblich scheint, ob auf dem linken Flügel Marcus Ingvartsen oder Keita Endo respektive Marius Bülter dann wirbeln sollten.