Toni Leistner (weißes Trikot) klettert zurück in den Innenraum in Dresden, nachdem er zuvor Stress mit einem Dynamo-Fan hatte.  Foto: Imago Images/Jan Huebner

Die Elbe fließt zwar nicht nach Berlin, aber an der Spree schlägt der Ausraster von HSV-Verteidiger Toni Leister nach dem 1:4 im Pokal in Dresden trotzdem hohe Wellen. „Es muss schon ganz schön viel vorgefallen sein, dass Toni so reagiert. Wir kennen ihn ja gut, so leicht bringt den nichts aus der Fassung“, zeigte sich Unions Kapitän Christopher Trimmel mit dem Ex-Kollegen solidarisch.

Leistner war nach dem 1:4 in Dresden auf die Tribüne geklettert, hatte einen Dynamo-Fan gepackt und ihn zu Boden gestoßen. Der Zuschauer soll ihn zuvor massiv beleidigt haben und vor allem gedroht haben, Leistners hochschwangere Frau in den Bauch zu treten und so eine Fehlgeburt auszulösen.

Leistner, der sich wenig später dafür entschuldigte, dass ihm die Sicherung durchgebrannt sei, erntete für seine Aktion bei Robert Andrich eher noch Verständnis. „Hut ab, wie der da so schnell diese Wand hochgekommen ist. Bei uns hätte er das einfacher“, witzelte Unions Mittelfeldspieler, der ja selber auf dem Platz auch kein Chorknabe ist, was Emotionen angeht.

Auch für nun wohl fällige Sanktionen seitens des DFB – Ermittlungen sind bereits angekündigt worden vom Verband und Leistner wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert – hat Andrich wenig Verständnis. „Natürlich haben wir eine Vorbildfunktion, aber irgendwo gibt es auch Grenzen, wenn es Richtung Familie geht“, so Andrich.

Beistand erhielt Leistner, der sich nicht mal zwei Stunden nach dem Vorfeld im Netz entschuldigte und Besserung gelobte, auch von anderen Ex-Kollegen. „Der Kauf einer Eintrittskarte berechtigt nicht, Leute so unter der Gürtellinie zu beleidigen. Das gleiche gilt natürlich auch für rassistische Aussagen aller Art. Meine Familie steht immer hinter dir und deiner tollen Familie“, twitterte Sebastian Polter. Und hofft darauf, dass der Fan gefunden und bestraft wird - Dynamo kündigte Sanktionen gegen den Provokateur an.

Auch Josefin Leistner sprang ihrem Mann zur Seite. „Was viele leider immer wieder vergessen: Auch hinter dem Profifußballer Toni Leistner steckt ein Mensch wie du und ich. Ein Papa und Ehemann“, schrieb sie bei Instagram.

Den Vogel schoss aber Christopher Quiring in den sozialen Netzwerken ab. Der ermahnte Leistner, künftig seiner Vorbildfunktion mehr gerecht zu werden: „Beim nächsten Mal benutze deine Faust!!!“

Am Dienstagabend nahm Leistner dann aber Kontakt zu dem Fan auf. „Wir haben telefoniert und die Sache untereinander geklärt. Er hat genau wie ich seinen Fehler eingesehen“, schrieb er auf Instagram. „Ich nehme seine Entschuldigung an, zwischen uns ist die Sache damit aus der Welt.“