Unions Sportchef Oliver Ruhnert mit Matchwinner Marvin Friedrich. imago-images/Matthias Koch

Keine vier Wochen ist es her, da erklärte so mancher Experte die Erfolgssträhne des 1. FC Union mit der Tatsache, dass die ganz schweren Gegner - die Bayern, der BVB, sowie RB Leipzig - noch ausstehen und die Eisernen bisher noch gegen keine Topmannschaft gespielt haben. Vier Spiele später sieht die Welt in Köpenick noch immer blendend aus: Die Derby-Niederlage gegen Hertha BSC haben die Unioner bestens verdaut und zuletzt aus den drei Partien gegen den FC Bayern, Stuttgart und Dortmund satte fünf Punkte geholt.

Für Sportchef Oliver Ruhnert jedoch weiterhin kein Grund, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Im Gegenteil, der eiserne Macher fordert stattdessen: „Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen!“

Worauf Ruhnert hinaus will, erklärt er in einem Pressegespräch nach dem tollen Sieg gegen Dortmund: „Es gibt durchaus prominente Beispiele von Mannschaften, die stark in die Saison gestartet sind und dann plötzlich nichts mehr geholt haben. Wir spielen nun mal in der Bundesliga und die Bundesliga ist immer sehr eng.“

Der 49-Jährige hält gar nichts von grenzenloser Euphorie nach den ersten 13 Spieltagen. Auch, weil der Sieg gegen den BVB zwar stark, aber nicht komplett frei von Glück errungen wurde: „Es ist sicherlich ungewöhnlich, dass wir aus zwei Heimspielen gegen Bayern und Dortmund vier Punkte geholt haben, dazu noch einen Punkt gegen starke Stuttgarter. Ich glaube aber, dass wir gegen Dortmund auch ein bisschen Spielglück hatten, zum Beispiel beim Pfostenschuss von Moukoko vor der Pause.“

Ruhnert liegt viel daran, dass bei den Eisernen keiner überdreht, denn nur mit einem klaren Kopf und dem Fokus auf den Klassenerhalt und das dafür unmittelbar nächstwichtige Spiel sind die Unioner unter seiner sportlichen Führung überhaupt erst so erfolgreich geworden. Trainer Urs Fischer wiederholt ohnehin schon seit Wochen mantraartig, dass es für Union einzig und allein um den Klassenerhalt gehe. Auch nach dem Sieg gegen den BVB, der so selbstverständlich wirkte, betonte der Schweizer, dass es sich für ihn „schon noch wie ein Coup“ anfühle, und bekräftigte damit die mahnenden Worte seines Kaderplaners. Die vier Punkte gegen die Bayern und Dortmund seien am Ende „vier Punkte mehr für das Saisonziel Klassenverbleib“.

Kapitän Christopher Trimmel war da schon etwas euphorischer: „Wir sind definitiv im Soll. Derzeit funktioniert bei uns sehr viel und wir hatten auch jetzt gefühlt noch immer kein schlechtes Spiel in dieser Saison.“ Dass die Eisernen damit weiterhin in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen sind, ist allerdings für alle Beteiligten bestenfalls eine schöne Momentaufnahme. Sodass Trimmel, als er noch betonte, dass die Mannschaft „auf einem sehr guten Weg“ sei, ebenfalls nur den Klassenerhalt meinte. Egal, wie lange die Erfolgssträhne der Eisernen noch anhält...