Ein letztes Kunststück – so wie hier von Joel Pohjanpalo vorexerziert – muss der 1. FC Union noch vollbringen, um in den Europapokal einziehen zu dürfen. Imago/Uwe Kraft

Es hatte was von einem Rütli-Schwur. Beim Abpfiff der Partie in Leverkusen (1:1), durch das der 1. FC Union sein Endspiel um Europa erreicht hat, versammelten sich die Profis der Eisernen auf dem Feld noch alle einmal im Kreis. Man schwor sich ein auf das Kommende. Das große Ziel! Wenn Friedrich Schiller nicht seinen Tell geschrieben, sondern die Szene im einstigen Haberlandstadion beschrieben hätte, hätte er es wohl so formuliert: „Wir wollen sein ein einzig Team von Kickern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!“

Wer vor der Saison auf ein Endspiel für Union am letzten Spieltag hätte setzen müssen, wäre wohl Wetten darauf eigegangen, dass die stets neben Bielefeld als erster Absteiger genannten Köpenicker maximal um den Relegationsrang oder das rettende Ufer kicken würden. Nun wird es unter der eidgenössischen Führung (Trainer Urs Fischer) kommenden Sonnabend in der Alten Försterei (15.30 Uhr, Sky) ein Herzschlagfinale geben, um die europäische Bühne betreten zu dürfen.

Union hofft auf Fans gegen Leipzig

Drama, Baby, Drama! Beim Kampf um Europa ziehen die Köpenicker daher alle Register. Sie setzen sogar auf eine Rückkehr von Zuschauern am letzten Spieltag gegen Leipzig. Beim Senat wurde angesichts der gesunkenen Inzidenzzahlen ein Antrag auf Durchführung eines Pilotprojektes zur Erprobung von Hygiene-, Schutz- oder Testkonzepten eingereicht. Dafür starten die Eisernen ab Montag eine Verlos-Aktion unter ihren Dauerkarteninhabern, so wie sie es zu Saisonbeginn, als teilweise Fans in die Arenen durften, auch gemacht haben. Eine Aktion, die sie aus logistischen Gründen durchziehen wollen, unabhängig davon, wie der Senat entscheidet. Weil sonst die Zeit dazu zu knapp wird. Dauerkarteninhaber werden vom Verein angeschrieben und ihnen die Bedingungen für eine Zulassung zum Kick gegen RB mitgeteilt.

Mit Fans im Rücken die ungeliebten Sachsen wegputzen? Stimmung an der Alten Försterei und nicht mehr Friedhofsruhe? Was für ein Traum!

Unions Pressesprecher Hannes Hahn erwartet den Mannschaftsbus bei der Einfahrt ins Stadion des FSV Union Fürstenwalde. Matthias Koch

Wenn die DFL nicht ohnehin ein abgeschottetes Trainingslager verordnet hätte, wer weiß, ob die Eisernen nicht von selbst auf die Idee gekommen wären? Derzeit bereitet sich Union bei Union auf das Kommende vor. Von ihrem schicken Quarantäne-Hotel am Scharmützelsee in Bad Saarow geht es täglich zum Übungsbetrieb auf den  Platz des FSV Union Fürstenwalde. Mit dem ungewohnten oder nur aus den Vorbereitungstrainingslagern bekannten Effekt, dass die Profis am Montag ihren freien Tag in der Einkasernierung verbringen müssen. Am Sonntag war dann gemeinsames Schauen von Leipzigs Auftritt in Wolfsburg Pflicht. Zumindest für den Trainerstab.

Am Freitag geht es dann zurück nach Berlin ins Hotel Crown Plaza am Potsdamer Platz und zum Abschlusstraining ins Stadion. Und dann heißt es tags darauf: Finale, oho, Finale, ohohoho …