Torsten Eisenbeiser im Vorjahr bei der 17. Auflage des Weihnachtsingens. Nr. 18 könnte ins Wasser fallen. Foto: Imago Images/Matthias Koch

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was am Abend des 23. Dezember in Köpenick stattfinden wird. Und damit ist nicht einmal gemeint, dass der 1. FC Union in der zweiten Runde des DFB-Pokals am Tag vor dem Christfest womöglich mit einem lange herbeigesehnten Heimspiel im Cup gesegnet sein sollte. Sondern es geht um eine Pflichtveranstaltung im Terminkalender der Eisernen – um das Weihnachtssingen. Dem droht angesichts der Pandemie das Aus. Torsten Eisenbeiser geht das besonders nahe.

Eisenbeiser ist so etwas wie der Papa des Weihnachtsingens. 17 Jahre lang organisierte er zusammen mit dem Fanklub „Alt-Unioner“ die rot-weiße Sangesnacht. Er gehörte zu den berühmten 89, die 2003 heimlich ins Stadion eindrangen und dort ihre Weisen schmetterten. In den Folgejahren, als das Event wuchs und zum Vorbild für zahlreiche andere Veranstaltungen in der Republik wurde, war er stets der Kopf hinter dem Ganzen.

Wie sagt der Volksmund? Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Im Dezember 2019 beschloss er aufzuhören. Die Hintergründe wurden nie ganz geklärt. Eisenbeiser ist keiner, der schmutzige Wäsche öffentlich wäscht. Es war irgendwie wie in einer langjährigen Ehe. Irgendwann kommt der Moment, wo sich die beiden Seiten auseinandergelebt haben. Auch wenn man sich noch schätzt. Doch auch er hatte den Termin ursprünglich für sich wieder vorgemerkt. Als Privatmann eben.

Nun droht das Aus. Auch wenn in Berlin weiter Freiluftveranstaltungen mit bis zu 5.000 Teilnehmern gestattet sein sollten – angesichts der sich zuspitzenden Corona-Krise eher unwahrscheinlich –, darf ja in den Stadien nicht mehr gesungen werden. Ein Weihnachtssummen hinter Masken? Undenkbar. Zudem wäre die Beschränkung auf nur 5.000 Teilnehmer ein gravierender Einschnitt. Sonst kamen ja immer um die 30.000 Personen zur eisernen Christmette im Ballhaus des Ostens.

Natürlich hofft Eisenbeiser darauf, dass in einer coronabefreiten Zukunft das Weihnachtssingen wieder zurückkommt. Aber auch er weiß, dass es dann anders sein wird. „Nur mit 5.000 Menschen wäre das ja schon anders. Und wenn ein Organisationsteam sich ändert, verändert sich ja immer auch der Charakter der Veranstaltung. Das muss nicht schlechter sein, ist aber dennoch anders“, so der 56-Jährige. Noch gravierendere Auswirkungen würde wohl eine Zäsur haben. Man kann verstehen, warum er ein klein bisschen Angst um sein Baby hat.