Max Kruse in tiefer Trauer. So hatte er sich das nicht vorgestellt mit seinem Kopfball in Minute 73. Drüber statt drin.
Foto: Oliver Behrendt

Während alle Welt – so sie denn zu den Rot-Weißen aus Köpenick tendiert – Freude pur versprühte nach dem Abpfiff des 2:1 gegen den VfB Stuttgart, schlug Starstürmer Max Kruse die Hände vor dem Gesicht zusammen und trauerte in der Kabine seiner vergebenen Großchance aus Minute 73 hinterher, mit der sich der 1. FC Union den schlussendlich eingefahrenen Dreier wohl deutlich leichter gemacht hätte. 

Kruse brachte das Kunststück fertig, aus einer Entfernung von fünf Metern die Maßflanke von Christopher Lenz über die Latte zu köpfen. Beim American Football wäre das ein hübsches Fieldgoal gewesen. Im europäischen Fußball zählt aber Ball über die Schnur oder Kugel gegen das Gebälk nicht, sondern entscheidend ist, was drin ist. Auf Instagram verriet der 33-Jährige dann auch prompt, wie sehr ihn das wurmte, dass er diesen „Sch...-Kopfball“ nicht gemacht hatte, und dass er das am Abend auf  Twitch, der Streamingplattform für Gamer, noch mal mit seinen Followern diskutieren wollte.

Der Spott der Kollegen war ihm gewiss. Zumal er nicht richtig mitfeiern konnte, weil er wie in der Vorwoche zur Dopingprobe musste, „Wir werden ihm das Video davon schon noch das eine oder andere Mal vorspielen“, hatte Grischa Prömel nach seinem dritten Saisontor – alle mit dem Kopf übrigens – grinsend verkündet. Christopher Trimmel schwadronierte genussvoll etwas von einem Kopfballpendel, das künftig zu Kruse Haupt-Trainingsgeräten gehören sollte. 

Wenigstens entschädigte der Doppelsieg seines Max-Kruse-Racingteams auf dem Nürburgring den 33-Jährigen ein wenig. Und natürlich die Tatsache, dass Union Stuttgart im sechsten Anlauf erstmals bezwingen konnte. Wozu auch Kruse – das muss gesagt werden – trotz seines Patzers vor dem Tor gehörig beigetragen hatte. Beispielhaft für die Uniontugenden des Kratzen, Kämpfens, Beißens, war seine Ball- Rückeroberung unmittelbar vor dem 2:0 von Petar Musa, wodurch Christopher Trimmel – auch bekannt als der Mann mit der Eisernen Maske oder das Phantom der Alten Försterei – den Kroaten gekonnt in Szene setzen konnte. 

So halten sich die Köpenicker weiter in Lauerstellung beim Kampf um die internationalen Plätze, auch wenn die punkt- und tordifferenzgleichen Mönchengladbacher Borussen die Eisernen von Rang sieben aufgrund der mehr erzielten Tore verdrängten. Da hätte Kruses Treffer also schon den Unterschied gemacht. Vielleicht hat Kruse ja bis Mittwoch in Dortmund (20.30 Uhr/Sky) genug am Kopfballpendel geübt, um dort wieder zu treffen. Denn ein Sieg beim BVB und schon würde Union sich auch mit der anderen Borussia um die internationalen Plätze duellieren. Und die Westfalen gar um Europa zittern ...