Möchte auch kommende Saison wieder in Europa jubeln: Unions Superstar Max Kruse. City-Press/Moritz Eden

Wenn Fußballer nach Niederlagen endlich in den eigenen vier Wänden ankommen, sind sie so oft noch voller Adrenalin, dass an Ruhe nicht wirklich zu denken ist. Unions Superstar Max Kruse ist da keine Ausnahme. Gut, das 1:1 gegen Slavia Prag war keine Niederlage. Aber es bedeutete das Aus für die europäischen Träume der Köpenicker. Was Kruse, aufgewühlt wie er nun einmal war, sofort wieder zu seinem Instagram-Account greifen ließ, wo er seine fast 400.000 Follower mit folgender Klartextbotschaft überraschte: „Wir müssen dann dieses Jahr noch mal angreifen, damit wir am Ende der Saison hoffentlich wieder auf den internationalen Plätzen stehen.“

Rums. Deutliche Worte. So ganz im Widerspruch zu seinem stets so zurückhaltenden Trainer Urs Fischer, der ja in der Liga stets nur vom Klassenerhalt spricht und in allem und jedem Kick eine Aufgabe sieht. Kruse steckt die Messlatte also eindeutig höher. Was im Übrigen nicht der einzige Punkt ist, in dem Kruse mit seinem Chefcoach ein klein wenig über Kreuz liegt. Doch dazu später mehr.

Kruse will. Ausgerechnet Kruse. Der doch in der vergangenen Saison immer gesagt hatte, er hätte donnerstags eh nie Zeit, keinen Bock auf Conference League, sondern eher die höher anzusiedelnde Europa League angepeilt hatte. Der Donnerstagsscherz fiel ihm seinerzeit natürlich prompt auf die Füße, als er mit seinem Kopfballtreffer gegen Leipzig am 34. Spieltag Union ins internationale Geschäft brachte. Und davon mal abgesehen kickt die Europa League ja auch nicht am Dienstag oder Mittwoch. Diese Tage sind immer noch der Königsklasse vorbehalten. 

Europa könnte Kruse zum Bleiben bewegen

Egal. Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an. Kruse hat Blut geleckt und will jetzt wieder. „Das wäre auf jeden Fall eine geile Sache. Es hat Spaß gemacht in der Conference League. Aber am Ende hat es leider nicht gereicht“, so der 33-Jährige, dessen einer Treffer gegen Slavia halt zu wenig gewesen war.

Indirekt beinhalten diese erneuten Europapokal-Ambitionen sogar eine versteckte Botschaft. Kruses Vertrag beim Ligasechsten läuft im Sommer ja aus. Und Manager Oliver Ruhnert hatte im Doppelpass jüngst darauf verwiesen, dass allein an dem gebürtigen Reinbeker liege würde, ob er seine Zelte in Köpenick abbricht und noch einmal auf seine alten Tage eine andere Herausforderung sucht. Kruses Europacup-Worte klingen nicht danach, als ob er die Eisernen unbedingt verlassen möchte. Schon gar nicht, wenn die wieder im internationalen Geschäft mitmischen sollten.

Ach so, bliebe noch nachtzutragen wo Kruse mit Fischer auch nicht übereinstimmt. Es war die Spielweise der Köpenicker, die ihm sauer aufstieß. „Wir haben ja eigentlich einen robusten Spieler vorne drin, der die Bälle auch festmachen kann. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass wir auch mit dem Ball Fußball spielen können. Und wollen. Das müssen wir in den nächsten Spielen wieder hinkriegen“, so seine vorsichtige Kritik an der Taktik der Eisernen. Bei Nachfrage, warum das gegen Slavia nicht geklappt habe, da viel zu früh die Brechstange rausgeholt worden war, verwies er nur auf den Trainer („seine Aufgabe“).

Was im Übrigen aber nicht wirklich neu ist. Kruse hat schon in der vergangenen Saison ab und zu moniert, dass Union zu viel mit dem langen Ball operiert, das spielerische Element dann des Öfteren vernachlässigt. Es gilt also dem Mix, den Fischer immer wieder einfordert, mehr Geltung zu verschaffen. Das Spiel selber gestalten zu wollen. Was schon am Sonntag in Fürth notwendig sein wird. Denn die Franken werden Union bestimmt nicht den Gefallen tun, und selber das Spiel machen, sodass die Eisernen ihr gewohntes Pressing an den Tag legen können. 

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