Die beiden eisernen Macher: Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert. Foto: Matthias Koch

Endspurt in der Liga. Die Eisernen stehen glänzend da. Oliver Ruhnert, Manager des 1. FC Union, äußert sich im Interview mit Frank Hellmann zur Lage der Köpenicker. Lesen Sie mal, was der gebürtige Sauerländer zu polarisierenden Profis wie Max Kruse, den Europapokal-Ambitionen der Eisernen und die begrenzte Gültigkeit laufender Verträge zu sagen hat. Ruhnert über:

... das Duell des Siebten beim Vierten.

Wenn die Bundesliga jetzt zu Ende wäre, hätten beide Vereine etwas Sensationelles erreicht. Gemessen am Personaletat sind das herausragende Platzierungen für beide Teams. 

... den ablösefrei gekommenen Max Kruse, den die Eintracht 2018 auch holen wollte, wobei Gehaltsforderungen von sechs Millionen Euro im Raum standen. 

Solche Größenordnungen sind für uns überhaupt nicht darstellbar. Vielleicht haben wir bei Max einfach die Gunst der Stunde genutzt und waren schon sehr früh dran. Unser Verein ist anders, vieles bleibt intern, die Stadt Berlin ist spannend: Am Ende hat für uns das Paket gesprochen – und da war nicht der wirtschaftliche Punkt entscheidend. 

... Kruse als polarisierender Profi

Wenn mir gewisse Dinge „too much“ sind, gehe ich auch mit Max in den Austausch. Er geht offen mit Kritik um. Max meint hier nicht, es gibt hier die Mannschaft plus Max, sondern er ist Teil der Mannschaft. 

... dessen Unlust auf die neue Europa Conference League.

Wenn ein Verein wie Union mit seinen Möglichkeiten, seiner Vergangenheit einen solchen Platz erreichen kann, ist das für die Menschen hier in Köpenick ein Wahnsinn. Dass wir derzeit siebtbeste Mannschaft in Deutschland sind, ist für viele nicht zu fassen. Man sollte das mehr aus dieser Perspektive betrachten.

Max Kruse – hier angefeuert von Unions Manager Oliver Ruhnert – spielt eine wichtige Rolle bei den Köpenickern. Foto: Matthias Koch

... den Stolz 17 Punkte mehr zu haben als Stadtrivale Hertha BSC?

... Es ist kaum zu glauben, dass wir gerade zwei Punkte hinter Leverkusen, vier hinter Dortmund stehen. Natürlich ist man stolz darauf, das Saisonziel fast erreicht zu haben – das hat aber nichts mit Hertha zu tun.

... den sich abzeichnenden Wechsel von Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic zu Hertha BSC

Es gibt immer eine Vereinssicht und eine Sicht des Arbeitnehmers. Vereine trennen sich auch von Trainern und Managern, obwohl Verträge laufen. Im Fußball ergeben sich manche Dinge genau dann, wenn man es eigentlich gar nicht will. Auf einmal gehen Türen auf, obwohl man selbst gebunden ist. In exponierten Stellungen passiert das in der Wirtschaft genauso wie im Profisport.

... einen möglichen Abschied von Union

Ausschließen kann man nie etwas. Weil man ja auch nie weiß, wie sich private Lebensverhältnisse entwickeln. Ich habe oft gesagt, dass ich irgendwann zurück ins Sauerland möchte. Aber als Manager hat man ja die Möglichkeit, die Vertragslaufzeit kurz zu halten, um sich solche Freiheiten zu bewahren.

... Unions Pilotprojekt für die baldige Rückkehr der Stadionbesucher

Das war ein Einstieg, die Kultur in Berlin geht den nächsten Schritt und testet an diesem Wochenende auch wieder mit Publikum. Unser Pilotprojekt lief hervorragend, 165 Personen hatten wenige Minuten später das Ergebnis auf dem Handy. Alle Tests waren negativ und jeder Test hat pro Person maximal zwei Minuten gedauert. Die Zahl der Stationen kann entsprechend ausgeweitet werden. Man muss insgesamt mehr in Lösungen und nicht so viel in Verboten denken.

... den richtigen Umgang mit Corona

Es stört mich einfach, dass wir andauernd so tun, als sei alles alternativlos. Es gibt beim Umgang mit Corona sehr unterschiedliche Sichtweisen in der Wissenschaft, von denen einige aber wenig Gehör finden. Daher habe ich den Eindruck, dass mehr möglich wäre. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse nach einem Jahr Pandemie für den Sport sind ziemlich eindeutig, dass das Ansteckungsrisiko auf dem Rasen oder auf den Tribünen bei Einhalten des Abstands und Tragen von Masken nahezu nicht gegeben ist. Das gilt auch für andere Bereiche wie die Ausübung des Amateursports. Ich finde, dass es höchste, wirklich höchste Zeit ist, in den Wiedereinstieg zu gehen. Wir können der Gesellschaft dauerhaft nicht das wegnehmen, was sie fürs Miteinander braucht.