Fang den Schützen:  Max Kruse eilt beseelt von dannen, Grischa Prömel (r.) versucht, dem Torschützen ein paar Streicheinheiten zukommen zu lassen. Foto: imago images/Jan Hübner

Unions Trainer Urs Fischer ist dieser Tage wirklich nicht zu beneiden. Wie kaum ein anderer singt er das Hohe Lied der Mannschaft, des Kollektivs. Auch am Sonnabend wurde er nicht müde, darauf zu verweisen, dass ein Einzelner nichts ohne seine Kollegen sei. Individuelle Anpreisungen Einzelner sind ihm ein Gräuel. Und doch zwingt ihn einer Woche für Woche dazu, Sonderlob auszuschütten. MAD MAX! Vor diesem Hallodri KRUSElt sich die Liga!

Also ersparen wir Fischer das und lassen hier andere Protagonisten zu Wort kommen. Beispielsweise Frankfurts Trainer Adi Hütter, dem der gebürtige Reinbeker beim 3:3 der Eisernen gegen die Eintracht die sicher geglaubten drei Zähler entriss. „Kruse hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, sonst hätte wir hier drei Punkte nehmen können“, räumte der Österreicher in hessischen Diensten ein. Ähnlich bewertete das Bas Dost, dessen 3:2 den Hessen eine Viertelstunde vor Schluss das Momentum in der Alten Försterei beschert hatte. „Am Ende der Kruse, der kann einfach gut schießen, Traumtor“, so sein lakonischer Kommentar.

Nicht, dass Fischer da anderer Meinung ist. Er erkennt schon, dass Kruse der Unterschiedsspieler ist, der verrückte Dinge auf und neben dem Platz macht. Und vor allem seine Kollegen besser macht. Selbst die, die nicht mit einem Filigranfüßchen gesegnet sind. „Das erste Tor war von ihm schön herausgespielt, das gilt es auch zu erwähnen. Den Elfer hat er dann kaltblütig verwandelt“, meinte der Schweizer Fußball-Lehrer, der dann doch noch mehr als ein anerkennendes Wort zum finalen Tor des Tages fand. „Diese Flugbahn war schon außergewöhnlich. Ich habe es aus der Hintertorkamera noch mal betrachtet. Er wurde aber auch gut freigespielt, es braucht schon auch die Unterstützung der Mitspieler“, so der 54-Jährige. Typisch Fischer, er kann halt nicht so aus seiner Haut.

Der begnadete Selbstdarsteller Kruse freute sich diebisch über seinen Coup: „Solche Tore schieße ich ja nicht so häufig, also darf man das auch ein bisschen genießen und schmunzeln über solche Tore.“

Sechs Buden und fünf Vorlagen stehen bei Kruse jetzt zu Buche. Einzig Bayerns Robert Lewandowski (12+6) und Dortmunds Erling Haaland (10+2) rangieren in der Scorerwertung noch vor dem 32-Jährigen. Erinnert sich jemand noch an einen gewissen Sebastian Andersson? Der 12-fache Torschütze der Eisernen aus der vorherigen Spielzeit hatte zu diesem Zeitpunkt der Saison gerade einmal drei Buden gemacht.