Konnte nach dem Schlusspfiff nicht mehr an sich halten: Unions frustrierter Keeper Rafal Gikiewicz. Foto: Matthias Koch

Leverkusen Der Mann war auf 180! Alles kam zusammen. Und Alario hatte sein Scherflein dazu beigetragen. Als Rafal Gikiewicz nach dem 1:2 die Kugel schnell aus dem Netz fischen wollte um die Aufholjagd einzuleiten, schoss er dem gerade zupackenden Polen das Spielgerät aus der Hand, um Zeit zu schinden.

Das alles und eine gehörige Portion Frust nach dem am Ende selbstverschuldeten 1:3 brodelte in dem Torsteher, als er nach dem Schlusspfiff in der Mixedzone des einstigen Haberlandstadions aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. Dieses Pokal-Aus tat Gikiewicz weh. So richtig weh! „Leverkusen macht gar nichts. Und wir kriegen Tore wie im Kindergarten“, meckerte der 1,90 m große Schlussmann frustriert los.  

Die Unordnung vorm ersten Treffer will er da nicht mal groß thematisieren. Aber das ausgerechnet ein Mittelgrößenzwerg wie Aranguiz, mit seinen 1,71 m satte 18 Zentimeter kleiner als Gegenspieler Christopher Trimmel ein Kopfballtor nach einem Standard erzielt, wurmte ihn mächtig. „Das ist viel zu einfach. Wenn wir das Kopfballduell verlieren, ist es okay. Aber der Ball fliegt und fliegt und wir bleiben einfach stehen und springen nicht hoch. Das kann ich nicht akzeptieren. Das war ein wichtiges Spiel, es ging hier schließlich ums Halbfinale.“

Natürlich will er immer gewinnen. „Wir wissen ja, wie er bei jedem Gegentor reagiert“, meinte Marvin Friedrich. Gegentore nimmt er persönlich. Ist halt Rafa eben.  

Rafal Gikiewicz will die große Bühne

Nur diesmal war es noch ein bisschen mehr. Da zeichnete sich ein Titel am Horizont ab. War gefühlt greifbar. Was für eine Chance! Außerhalb seiner polnischen Heimat, wo er mit Slask Breslau 2012 das Double holte, hat der 32-Jährige bislang nichts einsammeln können. Angesichts seiner Klubs in Deutschland (Braunschweig, Freiburg, Union) kaum verwunderlich.

Doch wenn dann auf einmal sich für einen Underdog wie Union eine mehr als nur vage Möglichkeit am Horizont abzeichnet, dass Außergewöhnliche möglich zu machen, dann ist das doppelt bitter. Natürlich spielt die EM im Sommer für Gikiewicz auch eine Rolle. Um in Polens 23-Mann-Kader berufen zu werden und nicht nur mal reinzuschnuppern, wie im letzten Sommer, wären Spiele im Rampenlicht auf großer Bühne hilfreich für ihn.