Für alle, die es verpasst haben sollten: Grischa Prömel zeigt an, wer bei Union der Mann für die wichtigen Tore  ist: Taiwo Awoniyi.  imago/Contrast

Wenn Bayerns Robert Lewandowski und Dortmunds Erling Haaland nach diesem Sportwochenende den Blick auf die Schützenliste der Liga werfen, werden die beiden Ausnahmestürmer sicherlich nicht gleich erzittern, weil hinten ihnen auf Platz drei ein junger Mann mit auch schon sechs Treffern aus den ersten acht Spielen rangiert. Die beäugen sich ja auch eher gegenseitig. Doch welchen Stellenwert Taiwo Awoniyi in Köpenick hat, stellte Unions Keeper Andreas Luthe nach dem 2:0 (0:0)-Heimerfolg klar. „Er ist ein bisschen wie eine Lebensversicherung für uns“, so Luthe, der nicht dafür bekannt ist, zu großen Übertreibungen zu neigen. 

In der Tat ist auffällig, dass Awoniyi nach seiner Rückkehr nach Köpenick für die Eisernen ganz wichtige Tore schießt. Treffer in Spielen, die man nicht zwingend gewinnen muss, wo er aber den Unterschied ausmacht. So wie beim 2:1 in Mainz vor der Länderspielpause, als er den Kick mit einem Doppelschlag drehte. Oder jetzt eben beim Heimdreier gegen die Wölfe, als er kurz nach der Pause eine feine Koproduktion von Max Kruse mit Genki Haraguchi veredelte (49.). Tor Nummer sechs im achten Ligaspiel der Saison – so viele wie in seinen beiden Spielzeiten und 33 Einsätzen in der Bundesliga zusammen.

Awoniyi widmet Tor seinem Geburtstagskind

„Für das steht er auf dem Platz, um Tore zu schießen. Ein Großteil des Treffers geht allerdings auf das Konto von Haraguchi“, kommentierte Trainer Urs Fischer in seiner bekannt nüchtern-unaufgeregten Art den Auftritt des Angreifers. Personenkult ist dem Schweizer als bekennendem Anhänger des Kollektivgedankens ja ohnehin fremd.

Gold in den Füßen ist nicht zwingend Gold in der Kehle. Den Song zur Melodie von „Give It Up“ von KC and The Sunshineband, den Fans ihm gewidmet haben, muss er noch ein bisschen üben, um dort genauso trefflich mit trällern zu können, wie er auf dem Platz für die Buden sorgt. Doch Zweifel daran, dass Awoniyi noch mehrfach Gelegenheit dazu bekommen wird, zusammen mit dem Anhang an seinen Sangeskünsten zu feilen, dürften wohl bei kaum einem bestehen. 

Den Treffer widmete er übrigens seinem Sprössling Emmanuel, der just an diesem Tag sein erstes Wiegenfest feiern konnte. In der Kabine hatte das auch jeder mitbekommen. Denn ein großer Luftballon mit Micky-Maus drauf und einer fetten Eins hing am Spind in der Umkleide.

„Seitdem er wieder da ist und fest verpflichtet wurde, hat er einen Riesenlauf“, so Luthe. Ein Lauf, der Union eben beflügelt und auf Rang fünf in der Tabelle spülte. Also auf einen Europapokalplatz! Was Fischer natürlich erst einmal nicht groß interessiert. „Sie kennen mich. Die Tabelle ist erst nach dem 34. Spieltag entscheidend“, so der Köpenicker Erfolgstrainer.

Immerhin verbot der Schweizer seinen Kickern nicht den Blick aufs Tableau. „Es ist nur eine Momentaufnahme. Aber man muss auch die schönen Momente genießen“, so Fischer.

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