Julian Ryerson  (r.) im Duell mit Kölns Jonas Hector. Der Norweger spielt sich bei Union immer mehr ins Rampenlicht.  imago/Dennis Ewert

Ja, doch, Christopher Trimmel gehört beim 1. FC Union noch längst nicht zum alten Eisen. Oder muss man sagen, ist noch nicht Alt-Eisern? Egal. Denn was ja schon mal klar ist: Das Erbe ist geregelt: Julian Ryerson ist der legitime Nachfolger des Eisernen Capitanos.

Der norwegische Nationalspieler kämpft in dieser Länderspielpause mit seinen Nordmännern um das Ticket für die WM 2022 in Katar.  Am Sonnabend geht es um 18 Uhr gegen Lettland in Gruppe G darum, die Türkei im Fernduell um Platz zwei in Schach zu halten, der ja zu Play-off-Spielen berechtigen würde. Bei optimalem Verlauf kommt es am Dienstag in den Niederlanden dann sogar zu einem Endspiel um Platz eins und damit die direkte Qualifikation. 

Der 23-Jährige mit US-amerikanischen Wurzeln flog bei den Köpenickern stets ein wenig unter dem Radar. Weil er halt im Windschatten des Capitanos steht. Muss einer wie er nicht eigentlich mehr aus sich machen? Ist das gar mangelnder Ehrgeiz, hat sich Ryerson es etwas zu gemütlich gemacht im beschaulichen Köpenick? Bei einem ambitionierten Zweitligisten wäre er mit Sicherheit Stammspieler. Vielleicht sogar bei Bundesligaklubs, die eher im unteren Drittel anzusiedeln sind, aus dem sich Union ja trotz der ewigen Tiefstapelei zu verabschieden scheint.

Ryerson bekommt immer mehr Einsätze

Ryerson ist aber komplett im Reinen mit sich. „Die letzten drei Jahre waren eine einzige Freude. Es gab nur einen Weg – aufwärts. Ich bin stolz, ein Teil dieser Geschichte hier zu sein“, sagt er selbst. Und in der Tat gehört er mittlerweile zu dem exklusiven Klub von fünf Spielern, die seit der Inthronisierung von Trainer Urs Fischer im Sommer 2018  immer noch dabei sind.

Die nackten Zahlen geben Ryerson übrigens recht mit seiner Eischätzung. In der zweiten Bundesliga durfte er nur achtmal ran. Nach dem Aufstieg wurden ganze 14 Einsätze für ihn notiert. Die Nettospielzeit pro Partie betrug auch nur 25,43 Minuten. Doch schon in der abgelaufenen Saison 20/21 steigerte sich das. 24-mal stand er da auf dem Feld mit durchschnittlich 44,29 Minuten pro Partie. In dieser Saison – geschuldet natürlich auch der Rotation durch die zusätzlichen Spiele in der Conference League – war er in zehn Erstliga-Partien dabei, ging dabei sogar fünfmal über die volle Distanz. Was im Durchschnitt bislang 52,58 Minuten pro Kick waren.

In den jüngsten beiden Bundesligaspielen der Eisernen ließ Ryerson  auch aufhorchen, weil er gegen Bayern (2:5) und in Köln  (2:2) seine ersten beiden Bundesligatore erzielte und auch sonst gegen die Geißböcke eine gute Figur abgab. Oft sogar gegen den unbequemen Anthony Modeste, wenn seine Abwehrkollegen diesen aus den Augen verloren hatten. Es geht also weiter aufwärts für den Nordmann.

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