Fans des 1. FC Union Berlin vor dem Spiel in Rotterdam am Alten Hafen warten hinter einer Polizeikette darauf, dass sie zum Stadion von Feyenoord können. dpa/ANP/Robin Utrecht

Eine Reise zum Vergessen aus eiserner Sicht. Sportlich wegen des 1:3 bei Feyenoord Rotterdam, durch das der 1. FC Union auf den letzten Platz in der Conference-League-Gruppe E zurückfiel. Aber die Begleitumstände überschatten alles. Unions Hollandtrip wurde zum Höllentrip.

Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen. Auch wenn man nach dem jetzigen Stand der Dinge durchaus davon ausgehen kann, dass niederländische Polizisten mit falscher Strategie und überzogener Härte ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Situation eskalierte. 

Die dramatischen Bilder von blutenden Fans und chaotischen Szenen rund um das Stadion machten die Niederlage der Eisernen ganz schnell zur Nebensache. „Es gibt Bilder von zahlreichen Verletzten von einem offensichtlich sehr harten Polizeieinsatz. Das ist in der Gesamtheit einfach inakzeptabel“, so Unions Pressesprecher Christian Arbeit. Die Uefa soll eingeschaltet werden.

Los ging es ja schon am Vorabend des Spiels, eine Gruppe von Feyenoord-Fans attackierten eine Union-Delegation um Präsident Dirk Zingler, Union-Vize Oskar Kosche, Christian Arbeit & Co. in der Bar De Huismeester. Eine Frau musste mit einem Kreislaufkollaps kurzzeitig in eine Klinik in Rotterdam, eine Person wurde festgenommen.

Insgesamt 75 Festnahmen

Der Tag danach wurde noch schlimmer. Die traurige Bilanz: 75 Festnahmen.

Nach Angaben der niederländischen Polizei seien 59 davon auf eine Auseinandersetzung fern vom Stadion zurückzuführen. Unioner hätten die Konfrontation mit Feyenoord-Fans im Stadtteil Lombardijen gesucht und dabei einschlägige Utensilien dabei gehabt. Sie wurden wegen des Verdachts der Vorbereitung offener Gewalt auf die Polizeiwache gebracht, im Laufe des Abends aber wieder freigelassen.

Die Szene in und vor allem vor dem Stadion führten also nur zu knapp 20 Prozent der Inhaftierungen. Alle mit unter den staatlich-branchenüblichen Vorwürfen von Beleidigungen, Vandalismus oder dem Besitz von Feuerwerkskörpern. In der Tat wurde ja auch im Stadion ordentlich gezündelt. Aber auf der Seite der Hausherren.

Probleme gab es dagegen bereits Stunden vor dem Anpfiff, weil nicht genügend Shuttle-Busse vom vereinbarten Sammelpunkt Oude Haven (Alten Hafen) zum De Kuip fuhren. Weil sich der Tross dann in Bewegung setzte, um zum Spiel zu kommen, und dabei in zwei große Teile zu zerfallen drohe, eskalierte die Situation, weil niederländische Spezialeinheiten den Zug stoppten. Es kam zu Rangeleien und Schlagstockeinsätzen. Einige der Unionfans mussten sich nach den harten Attacken dementsprechend in Krankenhäusern behandeln lassen. Zum Teil auch wegen Hundebissen.

Vollends aus den Fugen geriet die Situation, weil an den Stadiontoren die Ticket-Scanner teilweise nicht funktionierten. Vielen Fans sei der Einlass verwehrt worden.

Wegen der  Verzögerung wurden Hunderte von Unionfans in einem Kessel zusammengepfercht. Das daraus entstandene Chaos trug wenig zu einer Deeskalation bei. „Es ist eine aus unserer Sicht katastrophale Einsatzsituation, wenn mehrere Hundert Menschen mit Eintrittskarten bis zur Halbzeitpause nicht im Stadion sind. Dann kann irgendetwas nicht stimmen“, sagte Arbeit.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass die versprochenen Shuttle-Busse nach dem Spiel zum Abtransport der Unionfans auch nicht vorhanden waren.

Eiserne Fanhilfe ruft zu Gedächtnisprotokollen aus

Gemeinsam mit Feyenoord und der Uefa will Union die Situation auswerten und die Vorkommnisse sehr klar ansprechen. Die eiserne Fanhilfe hat die Unionanhänger dazu aufgefordert, Gedächtnisprotokolle der Vorkommnisse anzufertigen. „Es gab beim Fan-Marsch gezielte Angriffe auf Köpfe der Beteiligten, mehrere Personen wurden gebissen, haben Platzwunden oder sind im Krankenhaus“, erklärte Andreas Lattemann. Der Chef der „Eisernen Hilfe“ sprach von  „Willkür“.

Statt ein tolles Fußballfest zu erleben, wurde der Hollandtrip der Eisernen zum Höllentrip, über den in Deutschland und Europa noch weiterhin gesprochen wird.

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