Der Beginn eines wundervollen Abends aus Sicht der Eisernen: Taiwo Awoniyi stochert die Kugel rein zur frühen Führung für den 1. FC Union.  imago/Matthias Koch

Da war es wieder, diese von euphorisierten Menschen gefürchtete Wort der „Momentaufnahme“. Eine von Unions Trainer Urs Fischer stets bemühte Vokabel, wenn man auf den Tabellenstand der Eisernen verweist. Das Liga-Ranking wies die Köpenicker am Abend des viel zu knapp ausgefallenen 2:1-Sieges gegen RB Leipzig auf Platz vier aus. Der Fachmann weiß: Das ist ein Startplatz für die Königsklasse. 

Davon wollte der Schweizer Fußballlehrer in eisernen Diensten naturgemäß nichts hören. Ihn freuten viel mehr die drei Punkte und die Art und Weise des Erfolgs gegen die Sachsen, was kaum einer Fischers Truppe so zugetraut hätte. Bis auf Leipzigs Interimschef Marco Kurth, der im Vorfeld davor gewarnt hatte, dass die Aufgabe in Köpenick seinem Team alles abverlangen werde. War wahrscheinlich sogar ehrlich und aus Überzeugung so gemeint und nicht nur als vorausbauender Selbstschutz vorgetragen. 

Doch nicht nur die Fachwelt, auch die Laien staunen, was die Eisernen immer wieder so zuwege bringen. Und das trotz Dreifachbelastung. Und wenn dann so ein Moment wie der Kick in Frankfurt (1:2) kommt, wo selbst Fischer seiner Truppe „Müdigkeit“ attestiert und jeder glaubt, jetzt sei es so weit, jetzt müsse dem Kräfteverschleiß Tribut gezollt werden, dann belehrt Union all diese Menschen nur ein paar Tage später eines Besseren. 

Luthe lobt: Union hat immer einen Plan

Mit ein Grund für diese erstaunliche Fähigkeit ist laut Fischer die Lernfähigkeit seines Teams. Es ziehe aus den kleineren Nackenschlägen wie den späten Gegentoren in Frankfurt, Köln und Stuttgart die richtigen Lehren. Und bleibe vor allem ruhig und erdverbunden im Wissen um seine eigenen Stärken, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht.

Dazu kommt die Fähigkeit, sich immer wieder auf das Nächstmögliche zu fokussieren und alles Vorgefallene einen guten Mann sein zu lassen. „Wir machen keine Unterschiede, wer der Gegner ist. Wir versuchen immer so zu spielen, wie wir spielen wollen. Das ist ein klarer Plan und das sieht man in den letzten drei Jahren. Wir sind einfach sehr, sehr gut in unseren Prinzipien“, brachte es Keeper Andreas Luthe auf den Punkt. 

Nicht zuletzt ist ein hohes Maß an Flexibilität eine der Ursachen für den Höhenflug. Ob Dreier- oder Viererkette – Union kann spielend umschalten. Gegen Leipzig erwies sich der Schachzug, Max Kruse auf die 10 zurückzuziehen und Sheraldo Becker neben Taiwo Awoniyi stürmen zu lassen, mit als Schlüssel des Erfolges.

„Wir haben ein sehr starkes Spiel gemacht und hochverdient gewonnen“, merkte Kruse dann auch bei DAZN an und erntete keinen Widerspruch. Der Spielmacher lobte den Spielplan seiner Elf. „Wir wussten, dass wir den einen oder anderen langen Ball spielen müssen, weil wir hintenraus nicht so die spielerischen Qualitäten haben“, erklärte Kruse und meinte: „Wir sind über die zweiten Bälle gefährlich gewesen, weil wir mit Taiwo und Sheraldo zwei schnelle Spieler haben, die auch körperbetont spielen können.“

„Wenn man Leipzig so bespielt, wie wir es getan haben, dann zeugt das davon, dass wir im Moment guten Fußball spielen. Wir stehen nicht zu Unrecht da oben“, so sein Resümee. 

Also doch alles nicht nur eine Momentaufnahme!

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