Die Frisur sitzt bei Joel Pohjanpalo. Foto: Matthias Koch

Ein bisschen Klischee muss sein. Ob Joel Pohjanpalo heute schon in der Sauna war, wird er gefragt. „Ja, tatsächlich vorhin“, antwortet er lachend und berichtet bereitwillig von der lauschigen Hütte in den finnischen Wäldern, die er und seine Familie besitzen - natürlich ebenfalls mit Sauna. „Derzeit überlege ich, mit einem Freund noch eine Hütte zu kaufen“, erzählt er und man merkt, dass der 26-Jährige nichts von einem vermeintlich kühlen Nordmann hat. Pohjanpalo ist offen, herzlich, lacht viel und spricht schier unglaublich fließend Deutsch, wenn man bedenkt, wie kompliziert sowohl die finnische als auch eben die deutsche Sprache ist. „Ich bin ja auch schon acht Jahre hier“, erklärt er, nennt dann aber den tatsächlichen Grund für seine Sprachbegabung: „Als ich nach Leverkusen gewechselt bin, war da Michael Reschke (heute Technischer Direktor bei Schalke 04, d. Red.). Der hat gesagt: Bevor du nicht Deutsch sprichst, machst du hier kein Spiel.“

Spiele machte er in den vergangenen Jahren, trotz seiner Gardemaße von 79 Kilogramm auf 1,84 Metern und seinem nachgewiesenen Torriecher, dennoch nicht so viele, was ihm den Ruf des perfekten Jokers einbrachte. Nicht unbedingt die Ambition, die der Finne hegt. „Mir ist es sehr wichtig, Spielzeit zu bekommen“, sagt er und verweist auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft, an der Finnland erstmals teilnimmt. Pohjanpalo, neben dem Ex-Schalker Teemu Pukki eine feste Größe im Team der „Huuhkajat“ (Eulen), will unbedingt fit für das Turnier sein.

Auch, weil er weiß, wie sich eine schwere Verletzung anfühlt. Im März 2018 verletzte er sich am Sprunggelenk, fiel 15 Monate aus. „Es war nicht klar, ob ich überhaupt wieder Fußball spielen kann, das war wirklich hart“, erinnert er sich. Er hatte Glück, etwas, was für ihn im Fußball ungemein wichtig ist. „Die besten Spieler auf der Welt sind die, die am meisten Glück haben“, sagt er mit einem Schmunzeln, was verrät, dass der Satz witzig, aber auch ernst gemeint ist.

Glück ist auch, nach wenigen Wochen in Berlin eine Wohnung zu finden. Das hat Pohjanpalo mittlerweile geschafft, dafür lässt er das Haus in Düsseldorf, das er mit seiner Freundin Catharina gekauft hat, erst einmal zurück. „Düsseldorf ist für mich zu einer Heimat geworden, so wie Helsinki in Finnland“, erklärt er, will sich aber dennoch in Berlin schnell einleben. Man merkt, dass Pohjanpalo nicht nur an ein einjähriges Leihgeschäft bei den Eisernen denkt. Er plant längerfristig. „In der jetzigen Situation mit der Coronakrise war eine Leihe aber sinnvoller“, weiß er aber auch.

In Berlin freut sich der Stürmer, der bei seinem Debüt gegen Mainz schon nach wenigen Sekunden traf, vor allem auf Spiele der Eisbären Berlin. Beim deutschen Rekordmeister kennt sich Pohjanpalo richtig gut aus. „Vor ein paar Jahren hatten sie meinen Landsmann Petri Vehanen im Tor“, erinnert er sich und schwärmt vom neuen Eisbären-Goalie Mathias Niederberger, den er aus seiner Zeit bei der Düsseldorfer EG kennt: „Der ist richtig gut!“ Überhaupt liebt Pohjanpalo die Schnelligkeit im Eishockey. Ein echter Finne eben.