Unionfans sind sehr reisefreudig. Nur für ein Testspiel fuhren sie 2018 nach London an die Loftus Road. Und nun sollen sie in Europa in die Röhre schauen. imago/Matthias Koch

Helle Aufregung  bei den Unionfans. Der Gegner in den Playoffs zur Europa Conference League steht noch nicht  fest, die ersten Quali-Runden starten ja für kleinere Länder erst Anfang Juli, und doch steht – oder besser gesagt stand – eins fest: Der Anhang der Eisernen würde seine Fußballgötter in jeden Winkel der Welt begleiten, um beim ersten internationalen Pflichtspiel seit 20 Jahren dabei zu sein. Doch dem schob die Uefa jetzt unvermittelt einen Riegel vor.

In Zeiten der Pandemie wolle man verantwortungsbewusst handeln, hieß es aus der Verbandszentrale im schweizerischen Nyon. Deshalb werde ein Fanreisetum unterbunden, der Verkauf von Gästetickets untersagt. In Köpenick schäumt man vor Wut. Denn das erscheint mehr als scheinheilig. Schließlich war es doch die Uefa, die Stadien und Städte als EM-Austragungsort gesperrt hätte in diesem Sommer, wenn keine Zuschauer zugelassen worden wären.

Union muss ins Olympiastadion

Das ist die zweite Kröte, die der eiserne Anhang schlucken muss im Zusammen mit den Play-off-Spielen am 19. und 26. August – Auslosung am 2. August. Denn der von Boss Dirk Zingler nach dem Saisonende angekündigte Kampf um eine Austragung des Heimkicks in der Alten Försterei war auch der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen. Die hohen Herren in Nyon beharren auf ihrer Forderung, dass in den Play-offs 4000 Sitze im Stadion sein müssen. In der Gruppenphase bestehen sie sogar auf 8000 Plätze. Zähneknirschend, aber wenig überraschend, hat man daher in Köpenick das ungeliebte Olympiastadion als zweite Heimspielstätte angegeben.

„Wir und internationale Spiele, da liegt echt ein Fluch drüber, wenn es ums Reisen geht“, meinte Steffen Demmrich, der einst den Eisernen Virus e.V. und die Tradition der Sonderzüge mitbegründet hatte und sich schon seit Ende Mai Gedanken darum gemacht hatte, wohin die Reise diesmal gehen würde.

1968 verhinderte der Prager Frühling Unions Start im Europapokal der Pokalsieger. 2001 sorgten die Terroranschläge in den USA für eine Verschiebung des Erstrundenauftritts im Uefa-Cup. Das Spiel bei Haka Valkeakoski wurde zwar eine Woche später nachgeholt, aber zahlreiche Fans mussten ihre Reise nach Finnland unverrichteter Dinge abbrechen und erst einmal zurückkehren. Und nicht alle waren dazu in der Lage, eine Woche im hohen Norden zu verweilen oder beim zweiten Anlauf erneut anreisen zu können.