Unions Torschütze Julian Ryerson und Rani Khedira (v.l.) jubeln über den Treffer zum 1:0 bei Maccabi Haifa. AP

Geschafft! Fürs Erste zumindest. Die Reise des 1. FC Union durch Europa ist noch nicht zu Ende. Das 1:0 (0:0) bei Maccabi Haifa lässt den Eisernen alle Chancen aufs Weiterkommen in der Conference League. Jetzt haben sie am 9. Dezember gegen Slavia Prag ihr Endspiel um Tabellenplatz 2, auch weil die Tschechen trotz einstündiger Überzahl gegen Feyenoord Rotterdam kein bisschen vorgelegt haben und in der Nachspielzeit den Ausgleich zum für die Eisernen vorteilhaften 2:2 kassierten. So haben es die Köpenicker in der eigenen Hand und wären bei einem Dreier sicher weiter.

Lange passiert nicht viel

Eigentlich beginnt die Partie für die Eisernen in Israel erst nach gut einer Stunde. Weil zuvor hier wie da kaum etwas passiert und beide von der Angst getrieben sind, bei einer Niederlage aus dem Wettbewerb zu fliegen, fehlt dem Spiel alles, wovon Fußball lebt: geordneter Spielaufbau, feine Aktionen, genaue Zuspiele, von technischen Kabinettstückchen und Torgefahr ganz zu schweigen. Es ist alles andere als ein Augenschmaus und von Spielkultur ist wenig zu sehen.

Das gegenüber dem Derby-Sieg gegen Hertha BSC (2:0) auf vier Positionen umgestellte Team der Eisernen – Julian Ryerson, Tymoteusz Puchasz und Kevin Möhwald beginnen für Christopher Trimmel, Niko Gießelmann und Grischa Prömel, dazu macht Andreas Luthe im Kasten Platz für Frederik Rönnow – kommt nur ganz schwer in Fahrt und zu kaum einer torgefährlichen Aktion. Selbst Torjäger Taiwo Awoniyi (8 Bundesligatreffer) ist so gut wie nicht zu sehen. Dafür dominieren teils erschreckende Ungenauigkeiten und Nervosität ist selbst bei einfachen Zuspielen (Puchacz) sichtbar und im Spielaufbau bleibt einiges Stückwerk.

Dann aber sorgt Urs Fischer für die entscheidende Note. Mit einem Dreierwechsel, bei dem der Trainer voll auf Attacke geht, dreht sich alles. Sheraldo Becker, gerade drei Minuten in der Partie, erkämpft sich im gegnerischen Strafraum den Ball, flankt auf Julian Ryerson – drin ist die Kugel. Der Kopfball des Norwegers aus elf Metern fliegt zur Union-Führung ins rechte Dreiangel (66.). Endlich haben die Eisernen ihren Gegner dort, wo sie ihn hinhaben wollen und sich selbst in dieser Position, die sie unbedingt brauchen. Es ist, kaum zu glauben, Maccabis erstes Heim-Gegentor in diesem Wettbewerb.

Hinten wird es am Ende noch einmal gefährlich

Maccabi ist getroffen, aber noch längst nicht besiegt. Endlich aber werden die Aktionen der Rot-Weißen sicherer, die Zuspiele genauer und die Angriffe strukturierter. Nur fehlt das zweite Tor. Dafür wird es hinten noch einige Male gefährlich. Als aber ein Aufsetzer-Kopfball von Bogdan Planic über die Latte fliegt (86.) und Rönnow einen gefährlichen Freistoß von Tjaronn Chery zur Ecke lenkt (90.+1), sind die Eisernen nach vier Nachspielminuten im Ziel und das Endspiel gegen Slavia ist erreicht.