Angefressen stapft Sheraldo Becker bei seiner Auswechslung zu Unions Ersatzbank, vermeidet es mühsam, Unions Trainer Urs Fischer zu umkurven. imago/Matthias Koch

Aufreizend langsam schlich Sheraldo Becker am Freitagabend beim 1:0 gegen den 1. FC Köln in der Alten Försterei über den Rasen. Aufreizend, wenn man um seine eigentliche Geschwindigkeit weiß. 36,39 km/h sind für ihn in der Spitze notiert. Platz zwei in der Liga. Jede Pore seines Körpers versprühte Unmut darüber, dass er das Spiel vorzeitig beenden sollte. An der Seitenlinie pfefferte er wutentbrannt seine Handschuhe weg und bekam so gerade noch die Kurve, als er seinen Trainer und alle anderen, die sich ihm von der Ersatzbank aus näherten, doch noch irgendwie abklatschte.

Höchst unprofessionell, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt noch 18 Minuten zu spielen waren und der 27-Jährige bereits verwarnt gewesen war. Ein Schiedsrichter mit weniger Fingerspitzengefühl als Florian Badstübner hätte womöglich die Ampelkarte gezückt. Was für die Statik des Spiels, Union führte ja nur mit einem Treffer (Taiwo Awoniyi/49.), sicherlich Auswirkungen gehabt hätte.

Becker zuletzt bei Union gesetzt

Becker, der Anfang Oktober öffentlich mehr Spielzeit eingefordert hatte und dann tatsächlich auch auf dem Platz geliefert hatte, ist seit Anfang Dezember gesetzt bei Urs Fischer. Erst recht nach dem Abgang von Max Kruse Ende Januar. Becker kann ja auch eine absolute Waffe sein, Mitspieler in Szene setzen.

Doch seit Wochen fällt der Spieler der surinamischen Fußballnationalmannschaft damit auf, dass er bei nahezu jeder missliebigen Entscheidung des Unparteiischen lamentiert. Nicht immer bei Ballverlusten mit aller Konsequenz nachsetzt. Oder oft einfach nur abwinkt, wenn die Kollegen mal etwas nicht so machen, wie er sich das vorstellt.

„Was erlauben Becker?“, möchte man in Anlehnung an den großen Giovanni Trapattoni da ausrufen. Zwei Treffer und drei Vorlagen in 22 Ligakicks sind nun auch keine überdurchschnittlichen Werte, als dass sie Star-Allüren rechtfertigen würden. Eigentlich müsste der Flügelflitzer viel mehr aus seinen Möglichkeiten machen, wie die auf die Twitter veröffentlichen Statistiken von Bundesliga.de belegen.

Das gerne benutzte Wort Respekt gegenüber den Kollegen sollte von jedem Profi verinnerlicht werden. Ohne Disziplin geht es nicht in einem Kollektiv.

Fischer verzeiht Becker die Unbeherrschtheit

Es ist das Glück für den in Amsterdam geborenen Angreifer, dass sein Trainer nicht jede seiner Reaktionen auf die Goldwaage legt. „Unbeherrscht? Disziplinlos?“, so wollte Fischer das nicht nennen. „Dann hätte ich nicht so lange Fußball gespielt, wäre meine Karriere nicht so lange gegangen. Ich mag mich erinnern, ich war nicht anders. Ich kann damit sehr gut umgehen. Ich weiß ja nicht, ob er jetzt mit mir nicht einverstanden war oder mit seiner Leistung. Es könnte ja auch beides sein. Von daher überhaupt kein Problem“, so der 56-Jährige.

Zumindest öffentlich stellt Fischer Becker also nicht an den Pranger. Intern könnte schon das eine oder andere Sätzchen fallen.

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