Union braucht wieder seine Fans im Stadion. Foto: imago images/Matthias Koch

Der 1. FC Union schwimmt nicht im Geld wie Hertha BSC am anderen Ende der Stadt. Allein beim Fernsehgeld hinken die Eisernen mit 33,37 Millionen Euro in dieser Saison um 25,92 Millionen hinter dem Stadtrivalen her. Das ist fast so viel, wie Aufsteiger Bielefeld (29,8 Mio. Euro) kassiert. Da heißt es für die Eisernen klug wirtschaften in ihrem zweiten Bundesligajahr, das nach Lage der Dinge zunächst weiterhin ohne Zuschauer über die Bühne gehen muss. Auch das schlägt sich durch fehlende Ticket- und Cateringeinnahmen in den Büchern nieder.

Was ist bei diesem Etat im zweiten Bundesligajahr zu erwarten? Eine Umfrage unter ehemaligen Union-Profis, Managern und Sympathisanten.

Ulli Wegner (Box-Trainer-Legende): „Ich drücke meinen Eisernen ganz fest die Daumen. Aber das zweite Jahr wird immer schwer, das muss man so sehen. Mein Ur-Enkel Moritz ist seit seiner Geburt Vereinsmitglied und seine Eltern sind glühende Fans. Union hat in den letzten Jahren eine Bombenarbeit geleistet und uns alle begeistert. Ich glaube, sie haben das Zeug dazu, weiter die Klasse zu halten, auch wenn sie keiner mehr unterschätzen wird.“

Ronny Nikol (Ex-Union-Profi und Betreiber einer Indoor-Soccer-Halle): „Im ersten Jahr hat sicherlich die Euphorie einen großen Teil mit dazu beigetragen, dass Union uns mit dem Klassenerhalt überraschen konnte. Ich denke, in dieser Saison wird ganz wichtig, wann die Zuschauer wieder ins Stadion dürfen. Union braucht seinen zwölften Mann mehr noch als viele andere Klubs. Ich denke, sie können wieder die Klasse halten. Cottbus hat das ja auch mehrfach geschafft, und ihnen hat das damals keiner zugetraut. Ein bisschen hängt es auch noch davon ab, was noch auf dem Transfermarkt passiert und ob Sebastian Andersson noch geht. Da müsste dann nachgebessert werden. Im Übrigen auch auf der Torhüterposition. Wenn eine klare Nummer 1 geht, ist das immer ein Verlust. Und Rafal Gikiewicz hat Union in der ganzen Saison toll geholfen.“

Ex-Union-Profi Ronny Nikol zeigt es an: Für Union muss der Weg weiter nach oben führen. Foto: imago images / Jan Huebner

Torsten Mattuschka (Assistenztrainer der VSG Altglienicke, Eiserner Botschafter): „Bei Union muss sich gar nicht viel ändern, wenn man sieht, was für eine sensationelle Saison sie gespielt haben. Sie sollten sich und ihrem Stil treu bleiben und versuchen, einfach schnell wieder in die Saison zu kommen. Wobei sie es diesmal nicht so leicht haben werden wie im ersten Jahr. Das wird schon ein bisschen dauern, bis der Klassenerhalt sicher ist. Man wird Geduld brauchen. Mir gefallen derzeit die Zugänge. Von Endo verspreche ich mir einiges. Bei Gießelmann und Griesbeck hat Union mal wieder viel Fantasie auf dem Markt entwickelt. Das hat ja im Vorjahr auch mit Bülter sehr gut geklappt. Ein Vorteil wäre es sicherlich, wenn man den Kader schnell zusammen hat. Einen oder zwei Spieler kann man immer noch bis zum 5. Oktober integrieren. Aber es wäre sehr hilfreich für all die Abläufe, wenn Urs Fischer vom ersten Tag an mit allen arbeiten kann.

Nico Schäfer, (ehemaliger Leiter der Lizenzspielerabteilung, heute Geschäftsführer bei Drittligist Wehen-Wiesbaden): „Man sagt ja immer so leicht, dass das zweite Jahr das schwerste wird. Ich glaube, dass für Union das erste Jahr das schwere gewesen sein wird. Union ist von innen heraus gesund, ist über die Jahre organisch gewachsen. Die werden stärker aus der Krise hervorgehen als manch anderer Klub in Deutschland. Die Kontinuität, die viele Vereine suchen, herrscht dort über Jahre hinweg. Sie tut dem Verein in kritischen Momenten gut und wird auch in diesem Jahr für den Klassenerhalt sorgen können. Auch weil die Eisernen in Urs Fischer einen hervorragenden Trainer haben, dazu einen guten Stab um ihn und an anderen Mitarbeitern.“