Unions Max Kruse (l.) sorgte mit dem 2:1 in der Nachspielzeit dafür, dass Unions Europapokalträume wahr wurden.  Foto: dpa/Michael Sohn

Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! In buchstäblich letzter Sekunde. Eine grandiose Saison endet für den 1.FC Union mit einem 2:1 (0:0) gegen RB Leipzig. Union hat es geschafft. Rang sieben! Der Europapokaltraum wurde wahr. Dank der Treffer von Max Kruse und Marvin Friedrich.   

Da war es wieder dieses trotzige „Na und“  von den Rängen beim Verlesen der gegnerischen Mannschaftsaufstellung. Die Luft war geschwängert von Bratwurstduft. Und auf den Rängen endlich wieder Geraune. Football is coming home. Die Fans waren wieder da. Christian Arbeits Stimme vibrierte noch ein klein bisschen mehr als sonst, wenn er ins Mikro röhrte. Dazu die Verabschiedung der Aufstiegshelden Christopher Lenz,  Akaki Gogia und Florian Hübner sowie der Leihakteure Joel Pohjanpalo, Petar Musa, Loris Karius, Taiwo Awoniyi und Nico Schlotterbeck. Auch Christian Gentner bekam zum Abschied noch einmal einen kräftigen Applaus. Da durfte die ein oder andere Träne auf den Rängen kullern, ohne dass sich einer schämen musste. „Ich bräuchte gar kein Spiel“, jubelte Arbeit über die Stimmung schon vor dem Anpfiff bei den nicht aufhören wollenden Gesängen.  

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15 Minuten Schweigen auf den Rängen

Jeder gewonnene Zweikampf wurde beklatscht, jeder Ballgewinn bejubelt. Es hätte keinen groß verwundert, wenn die etwas aus der Übung gekommenen Stimmbänder des Anhangs - darunter übrigens Olaf „Leo“ Seier und Jörg Heinrich – schon zur Pause heiser gewesen wären. Dabei hatten sie diese in den ersten 15 Minuten aus gewohnten Protestgründen gegen das Marketingprodukt eines österreichischen Limonadenherstellers bewusst geschont. 

Union, bei dem Julian Ryerson den Vorzug vor Sebastian Griesbeck im defensiven Mittelfeld bekommen hatte, war von Beginn an gut im Spiel. Die Gäste, obwohl mit mehr Ballbesitz, wurden erstmals nach 44. Minuten gefährlich.

Friedrichs Tor lässt hoffen

Fast hätten die Köpenicker schon vor der Pause jubeln können. Nach einer Kopfballverlängerung versucht es Max Kruse frech aus über 40 Metern mit einem Heber über den zu weit vor seinem Kasten stehenden Martinez. Aber der Schuss senkte sich hinter dem Keeper auf den Rasen und ging knapp zwei Meter neben dem Tor ins Aus (5.). Es wäre die perfekte Antwort gewesen auf den frühen Führungstreffer der Gladbacher in Bremen. Auch Musa war kurz davor, doch der Kroate traf nur den Pfosten (34.). Keine Frage, hier war was drin. 

Doch lange roch es nicht nach dem ganz perfekten Tag, den Fischer immer fordert, wenn es um Erfolge gegen Spitzenteams geht. Das ist Leipzig nun einmal. Kluivert bestrafte  eine Nachlässigkeit der eisernen Hintermannschaft mit dem 1:0 (55.). Der fast zeitgleich fallende zweite Treffer der Gladbacher in Bremen schien den Traum vom internationalen Geschäft dann platzen zu lassen. 

Die Hoffnung keimte zwar noch einmal auf mit dem Ausgleichstreffer von Marvin Friedrich (67.). Aber man musste weiter bangen und bibbern. Und dann, als keiner mehr ernsthaft damit rechnete,  machte Max Kruse ihn wahr! Den großen Traum.  In der Nachspielzeit per Kopf. 2:1. Der erste Sieg gegen RB in der Bundesliga überhaupt. Und der bringt das Tor nach Europa.